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Angepinnt Camping in der DDR... wie war´s denn damals?

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    Euer Team von Wohnwagen-Forum.de

    • Camping bringen wir immer mit Urlaub in Verbindung. Das muss aber nicht so sein, sondern Camping kann auch einen anderen Hintergrund haben.

      Unsere Tochter und ihr Mann, sie hatten während des Studiums geheiratet und waren schon Eltern, beendeten 1990 ihr Studium an der TU Dresden.

      Sie besaßen Arbeitsverträge mit einem großen VEB in unserer Region, doch als sie ihre Arbeit antreten wollten, hatte sich die Treuhand des Werkes bemächtigt und ihn abgewickelt.



      Unsere Tochter kannte seit dem 3. Lebensjahr Camping und so war es logisch, dass sie nicht lange jammerten, sondern mit ihrem Trabant gen Süden fuhren. Sie schlugen auf einem Campingplatz in Franken ihr Zelt auf und bewarben sich ringsherum um Arbeit. Als erster fand unser Schwiegersohn in einem namhaften, großen Unternehmen, in dem er noch heute arbeitet, einen Job, und er fuhr fortan vom Campingplatz aus jeden morgen 7:00 Uhr auf Arbeit. Den Trabant hatte er natürlich außerhalb geparkt, denn diesen Gestank und dieses Geknatter konnten sie den anderen Campern nicht früh morgens zu muten.



      Als nächstes suchten sie eine Wohnung und Ende des Sommers konnten sie vom Campingplatz in ein "festes Gebäude", ihre eigene Wohnung, umziehen. Unser jüngster Enkel wurde dort geboren und ist damit der erste richtige "Wessi" der Familie. Sie leben noch heute dort, inzwischen im eigenen Haus.



      So war der Camping Beginn eines Familienlebens in der heutigen Zeit.



      Gruß Antonius

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Antonius ()

    • Es ist doch schön zu lesen, daß es ost wie west viele gleichheiten im Camping gab.

      Wohnwagenselbstbauten gab es im Westen auch. Sicherlich genau so selten wie im Osten. Mit dem Hundezelt haben wohl alle mal angefangen. Da ist die Himmelsrichtung egal. Auch die Steigerungen zum Steilwandzelt und Wohnwagen. Viren sind eben nicht an irgendwelche Grenzen gebunden. Einmal Camping, immer Camping oder nie wieder. Die "niewieder" lesen hier natürlich nicht mit. Meine Eltern und ich ( ganz klein... ja, war ich auch mal) sind mit Fahrrad und Zeltausrüstung und mir auf dem Kindersitz am Lenker zum Zelten gefahren. Gar nicht schön, wenn einem da auf dem Kindersitz der Regen ins Gesicht prasselt. Das tut ganz schön weh mit der Zeit. Immer muß man still sitzen. Dann im Zelt die ganze Nacht gefrohren wie ein Schneider. Zelten war doof. Irgendwann gab es dann einen Schlafsack für mich. So war es schon besser. Zumindest schon mal nicht mehr gefrohren. Später, viel später 1958 mit dem Auto, ein LLoyd Alexander TS, machte das wieder richtig Spaß. Jetzt konnte ich auch Spielsachen mitnehmen. Dann im Steilwandzelt, mit Schlafzelten, eins nur für mich, das war toll. Als ich acht war, durft ich auf dem Campingplatz immer den Wagen ein- und ausparken. Das war aber schon ein Goggomobil 600. Viel besser als so`n LLoyd. Dann irgenwann mußten wir vom Strand weg. Es gab den 1. Wohnwagen. Toll. 2Jahre später wurde es meiner, da er meinen Eltern zu klein war. Gut, daß ich ein Sparbuch hatte, das zusammen mit dem Sparschwein fast reichte. In diesem Kleinen ist sogar mein Sohn noch groß geworden. Camping macht Spaß. Immer das eigene Zuhause und Bett dabei. Gibt nichts besseres. Die armen Niewieder. Das Bild zeigt meinen 1. Zugwagen. Simca 1000 85 PS Heckmotor und Antrieb vor der Haustür und mit Eifelland an der Ostsee in Rosenfelde.

      Gruß Gerd

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Handy ()

    • Handy schrieb:

      Es ist doch schön zu lesen, daß es ost wie west viele gleichheiten im Camping gab.
      Hallo Gerd, :w

      wenn ich Dein Gespann von damals sehe, sehe ich auch viele Gleichheiten [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/smilie/froehlich/k020.gif]

      Uwe


      jamidianer schrieb:

      Mensch, Uwe,

      wenn ich gewusst hätte, dass du auch dort warst, wäre ich doch zu euch gekommen und hätte es mir vormachen lassen!! :lol:
      Hallo jamidianer
      Ich staune, daß Du mich nicht gesehen hast, ich war doch der, mit der Bedienungsanleitung in der Hand [Blockierte Grafik: http://www.cosgan.de/images/midi/ekelig/e040.gif]

      Uwe
    • hobbyuwe schrieb:

      Ich staune, daß Du mich nicht gesehen hast, ich war doch der, mit der Bedienungsanleitung in der Hand


      Ach DER warst du? Ich dachte, dass wäre der Installateur, der die Schüsseln nachrüstet :lol:

      Mann, was war das ein Spaß, vor allem weil ich ja meine Frau losgeschickt hatte, um zu schauen, ob das bei den Frauen genauso aussieht - ich wäre doch glatt aufs Damenklo gegangen, wenn die ne Schüssel gehabt hätten!
      :..:
      Liebe Grüße
      Dirk
      Den eigenen Tod, den stirb man nur,
      doch mit dem Tod der anderen muss man leben.
    • Nur mal so nebenbei:

      Ich habe mir in der Zwischenzeit das von cubi empfohlene Buch gegönnt. Ist eine sehr interessante Lektüre, locker geschrieben und gespickt mit vielen netten Anekdoten.
      Gruß vom Fischkopp

      "Scheint die Sonne auf das Schwert, macht der Segler was verkehrt."
    • Deutsche Einheit am Balaton

      Hallo,

      Habe zum Fest eiun schönes Buch bekommen. "Deutsche Einheit am Balaton"

      Es handelt von deutsch-deutschen Begegnungen am Balaton vor der Wende. Deutsche Familien oder Freunde trafen sich auf Campingplätzen oder Ferienwohnungen, was sonst ja nicht móglich war.

      Es berichtet von neuien Freundschaften, die entstanden, den Geldumtausch, die Übewachung der Treffen usw..

      Sehr zu empfehlen. Das Buch ist Begleiter einer Ausstellung in Berlin. Das Buch soll aber besser sein.

      Didi
    • :thumbsup: :thumbsup:



      Allen Schreibern ganz vielen Dank. Da ich aus der Schweiz bin, war es ganz interessant und auch lustig (z.B. das wegen den WC.......ohne Schüsseln....hahaha muss gerade wieder lachen beginnen) von dieser Zeit zu lesen. Wir kanten ja so etwas nicht. Unsere Einschränkungen waren die beschränkten Urlaubstage und das Geld. Aber sonst stand uns ja alles offen.



      Wir haben gerade den Wohni getankt und beladen und fahren über Silvester nach Kirchzarten.



      Wir wünschen so allen einen tollen Rutsch ins neue Jahr.



      :prost:



      Grüsse aus der Innerschweiz
    • savon99 schrieb:

      Als verwöhnter Wessi staune ich über den Abenteurmut den ihr DDR Camper hattet. Nach Bulgarien mit dem Lada via Rumänien. Ich staune. Tolle Geschichten.
      Womit denn sonst? Etwa mit einem Westauto? Diese Autos waren für diese Straßenverhältnisse konstruiert, und der Vorteil lag halt im Baukastensystem, das auch die Reparaturen unterwegs ermöglichte. Andererseits: wurde hier nicht etwas ähnliches gemacht? Mit Lambretta, Lloyd Alexander, Goggo oder Heinkel über die Alpen nach Bella Italia, davon erzählt doch in jeder Großfamilie mindestens noch ein Großonkel oder sonstiger Verwandter. Leute, es gab ein Leben vor dem ABS, ESP, Bordcomputer, dem Navi, und dem Mover. Das sind die Geschichten, die herausgekramt werden, wenn man erzählt, was für ein Kerl / eine Frau man doch damals war! Das sind die Geschichten, die die heute vorgebliche Camperromantik begründeten. Auch wir sind damals mit einer völlig überladenen Güllepumpe zum Nordkap gefahren, auch wir hatten sehr zweifelhafte Autos, die uns und unseren WW schleppten. Es lief beileibe nicht alles glatt, aber dies hat ja die Geschichte ausgemacht. Schäden, Pannen, Probleme und deren Lösung. Daraus wird die Geschichte gemacht. Hin, zurück, keine Probleme, ach-ja, der-Kühlschrank-hat-erst-beim-zweiten-Mal-auf-Gas-gezündet, war-wohl-ein-Fehlkauf, das will keiner hören, und nur ganz hart gesottene würden das als Abenteuer deklarieren.
      Ich mag die Geschichten, und würde mich freuen, weitere lesen zu können!


      Peter
      Diesellandy


      It's never the fall that kills, it's the sudden stop at the end!!!!!


      :motz: Freude ist nur ein Mangel an Information :motz:

      (Nico Semsrott, MdE und Demotivationstrainer)

      #401GE


      Korruption muss bezahlbar bleiben!!!

      Die erbarmungsloseste Waffe ist die gelassene Darlegung von Fakten!
      (Raymond Barre)
    • Wie wir Camper`s wurden


      Durch reinen Zufall, und dann notgedrungen.

      Anfang der Achtzieger:

      Meine Armeezeit ist gerade zu Ende, eine feste „Freundin“ nicht in Sicht. Blauäugiger Weise und im jugendlichen Leichtsinn hatte ich mich schon als unbedarfter Schüler zu dreijähriger „Friedensdienstzeit“ verpflichtet.

      Später hatte ich dann große Hoffnung, dass das Militär so einen leicht untergewichtigen, laufenden Meter nicht brauchen wird können.

      Konnten Sie aber doch.

      Nun, es hat, aus der verblassenden Erinnerung her betrachtet, nicht weiter geschadet, war eine Schule fürs Leben, auf alle Fälle gut für den Ordnungssinn. Ein wenig Kleingeld ist übrig geblieben, auch weiß man eine gewisse Handlungs- Denk- und Bewegungsfreiheit dann ganz anders zu schätzen.

      Wichtig sind jetzt die Kumpels, das Kino, die Disko, fahrbare Maschinen aller Art, sämtliche Hitparaden, die Mädels, und Geld verdienen.

      Letzteres ist nicht so problematisch, da Arbeit und entsprechende Plätze so reichlich vorhanden sind wie heutzutage Stühle im Amt.

      Wartezeiten in Gaststätten, Warenhäusern, auf Autos und Führerscheine, Ersatzteile und Genehmigungen werden begründet mit: keine Leute, keine Leute!

      Wir sind eine dufte Truppe, genannt Jugendbrigade, in der Zuschnitt- und Materialvorbereitenden Abteilung des schienengebundenen Schwerlastfahrzeugbau.

      Neben Trennschleifen, Sägen, Stanzen, Materialgüte kontrollieren, Messen, und wiegen widmen wir uns noch Spezialaufgaben. Zum Beispiel dem Geschwindigkeitstest von Wälzlagern. Und das geht so: Wälz und Kugellager mit einem Durchmesser über 15cm werden mit einer Schweißerzange festgehalten. Überall im Werk sind Druckluftzapfstellen zur Versorgung mobiler Schleifhexen, Trennscheiben und anderer Geräte vorhanden. Diese Druckluft wird nun dazu benutzt den inneren Ring der Lager ordentlich auf Touren zu bringen. Hat der Innenring seine Höchstgeschwindigkeit erreicht, wird das Lager auf dem Betonboden freigelassen. Funkensprühend mit rasendem Tempo bollert das „Testobjekt“ den 100 m langen Mittelgang der Werkhalle entlang um hinten donnernd gegen Metallpaletten und Stahlprofile zu knallen. Das macht besonders viel Spaß wenn am anderen Hallenende eine Gruppe Schüler ihrem UTP-Tag (Unterrichtstag in der Produktion, 8.-10.Klasse) zustreben.

      Von denen wollen dann alle Bäcker, Koch oder Sekretärin werden. Schlosser, Dreher oder Schweißer scheint ihnen doch zu gefährlich. Gute Effekte gibt auch ein mit Azetylehn-Sauerstoffgemisch aus dem Schweißbrenner gefüllter Luftballon, der mittels Zigarettenkippe in einer leeren Stahlbox gezündet wird. Auch psychologische Studien werden durchgeführt:

      In die Abteilung kommt unregelmäßig eine ältliche, sehr wortkarge, etwas langsame Frau zwecks Sauberhaltung der Toiletten, Umkleide- und Pausenräume. Ihre Kittelschürze muss eine Spezialanfertigung sein, denn der Umfang ist weit jenseits jeder gängigen Konfektion.

      Wäre die nicht mit Blümchenmuster, könnte man das Teil auch für einen kleineren Zirkus als

      Heimstatt benutzen. Diese Dame hat jedenfalls die Angewohnheit Ihren Wischeimer mit schwarzdreckigem Wasser plus löchrigen Scheuerlappen im Gang stehen zu lassen um im Männerklo eine Zigarrenpause abzuhalten. An der Großschere wird gerade Zehner Stahlvierkant zu 2,5 Kilo-Stücken geschnitten, die später zu Zughaken geschmiedet werden.

      Fünf dieser Klötzer werden im Schmutzwasser versenkt. Nun kommt die Gute frisch gestärkt aus`n Klo, will schwungvoll Eimer und Schrubber aufnehmen um den Saal zu verlassen.

      Erster Versuch: Hand rutscht hoch, Eimer bleibt stehen. Zweiter Versuch: genau so.

      Dritter Versuch: in die Hocke gegangen mit langsamen Hebeversuch. Eimer steht wie angegossen. Vierter Versuch: Schrubber weggestellt, mit beiden Händen kräftig gezogen. Ergebnis: Hochrotes Gesicht, Eimer steht. Dann grübelnd eine Runde um den Eimer gedreht, mühsam gebückt, eine Weile geguckt, noch eine Runde. Mit arbeitsbeschuhten Fuß mehrmals kräftig gegen das Arbeitsmittel getreten; Eimer steht, nur ein bisschen Dreckbrühe schwappt raus. Jetzt zwei Schritte Anlauf, mit dem ehemaligen Torschussbein und der gesamten zu Verfügung stehenden Masse dagegen gehämmert.

      Eimer kippt, Stahlrohlinge kullern heraus, Wasser benetzt den fast sauberen Fliesengang.

      Das ist das erste Mal, dass ich diese Frau lachen sehe.

      Trotz diverser Nebenbeschäftigungen, unseren Plan haben wir immer geschafft.

      Nach Feierabend trage ich dem Zeitgeist entsprechend, in lila-bläulich verlaufend- farbene Schlaghosenjeans und die Haare leicht gewellt Schulterlang.

      Das erste Auto ist ein ständig reparaturbedürftiger Oldtimer mit unsynchronisiertem Dreiganggetriebe, Thermosynphonkühlung, Dina-Startanlage, Holzkarosse, außen befestigten Ersatzrad, und Lederbezogenem Dach. Die ausladenden Kotflügel selbst frisch gestrichen. Heut wäre dieser DKW- Meisterklasse (20PS) mindestens das Hundertfache vom von mir gelegten „Gebrauchtwagenpreis“ wert. Leider lebt das auf den Namen „Oma“ getaufte Fahrzeug nicht mehr, und das kam so:

      Nach einer (wiederholten) Reparatur der Zylinderfußdichtung aus selbstgeschnitten Kautasit, schön eingelegt in Grafitöl, den Wagen einem Kumpel zwecks erstem Rendezvous für Nachmittags überlassen. Das muss recht aufregend abgelaufen sein, denn der Freund landete im Überschwang seiner Gefühle mit der neuen Flamme gleich im lauschigen Straßengraben. Dummerweise mitsamt Auto und einer menge Schwung. Medizinisch positives ist den Beiden nichts passiert, nur fährt sich`s im Graben wegen der schlechten Sicht nicht besonders. Deshalb haben sie auch den kleinen Baum getroffen. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, da das Auto noch richtige massive Stoßstangen hat, die man wieder geradebiegen kann. Nur, um das Gefährt wieder auf die Fahrbahn zu bringen haben die Beiden den Nächsten angehalten, der da abgelegen vorbeikommt. Und das war ein Traktor.

      Statt an der Hinterachse, wird einfacherweise das Seil an der frisch polierten, verchromten Stoßstange befestigt. Ein Ruck - kein Tischler ist mehr im Stande ein solches Autohinterteil bezahlbar zu schreinern.

      Hauptfortbewegungsmittel ist sowieso das Motorrad. Eine weinrote Hundertfünfziger MZ

      (Motorradwerk Zschopau). 12 zweitaktende PS sind gut für reichliche 125 km/h. Das ist schon ganz ordentlich bei maximal erlaubten 80 auf ländlichen Straßen.

      Das Maschinchen wird zusatzausgestattet mit Hochlenker, Extrahupe, Seitengepäckträgern und einem beigefarbenen Kunstfellbezug für den Sattel. Der ist zwar bei feuchtem Wetter etwas unpraktisch, macht aber voll was her.

      Eines Tages hieß es im Kollegenkreis, in Görlitz würde es Zelte zu kaufen geben.

      Nun braucht man als Einundzwanzigjähriger nicht jeden Tag ein Zelt, im Spätherbst schon gar nicht, aaaber man kann ja nicht wissen! Günstig weiterveräußern, oder eintauschen in Ersatzteile, Kaffeemaschinen, Bettwäsche oder Konzertkarten lässt es sich auf alle Fälle, und es ist ein willkommener Anlass wieder mal in die 20 km entfernte Stadt zu düsen. .......gleich geh´ts weiter
      Gruß an die Camper´s und ok ni jechen.
    • Eines Tages hieß es im Kollegenkreis, in Görlitz würde es Zelte zu kaufen geben.

      Nun braucht man als Einundzwanzigjähriger nicht jeden Tag ein Zelt, im Spätherbst schon gar nicht, aaaber man kann ja nicht wissen! Günstig weiterveräußern, oder eintauschen in Ersatzteile, Kaffeemaschinen, Bettwäsche oder Konzertkarten lässt es sich auf alle Fälle, und es ist ein willkommener Anlass wieder mal in die 20 km entfernte Stadt zu düsen.

      Nach dem Nachtschichtschlaf komme ich so gegen Mittag in der großen Stadt an. Der Beschreibung nach gibt es die Teile in einem der wenigen, noch privat geführten Laden, in der kopfsteinpflästrigen Altstadt. Über Mittag geschlossen. Noch über einer Stunde Zeit.

      Die Berliner Straße ist immer schon belebte verkehrsberuhigte Zone mit Läden, Kaffees, Imbiss, Hotel und einer schön gestalteten, mit Deckenmalerei und Lichthof versehende Passage. Ich bummle also die Meile entlang, hier eine Bockwurst mit Bautzener Senf, dort ein dreikugeliges Eis, einen Kaffee zur „F6“, dann wegen scharfen Mostrichdurst eine Halbliterlimo, weiter Oben noch…. Wundern über ein gewisses Bedürfnis braucht man sich dann nicht. Die „Berliner“ endet am Bahnhof, dort weiß ich eine ständig geöffnete Bedürfnisanstalt. Dahin bin ich nun zielstrebig unterwegs. Noch über die große Kreuzung mit der jämmerlich quietschenden Straßenbahn, da ist schon höchste Eile geboten. In der großen grün gefliesten Bahnhofshalle sind die Etablissements räumlich sehr weit getrennt. Linke Hallenseite neben Eingang und „Mitropa“ für „Frauen“, 50 Meter rechts davon für die“ Herren“. Der Architekt, der für diese Raumaufteilung verantwortlich war ist bestimmt weiblich. In der Halle muss ich kurz orientieren in welche Richtung…. Da tippt von hinten ein älterer Kollege mit Reichsbahnuniform, der sich offensichtlich zur Rente etwas dazuverdient, auf meine lockenbehaarte Schulter: „ Für junge Damen ist da drüben gleich links!“ Trockene stark krächzende Stimme. Als ich mich umdrehe hätte der Bahner eigentlich erkennen müssen, dass mir auch ein kleines Bärtchen wächst. Doch dies ist wahrscheinlich durch die klodeckelgroßen schmierig besprenkelten Brillengläser nicht möglich. Kopfschüttelmurmelnd schaut er missbilligend hinter mir her, wie ich mich zügig nach rechts bewege. Endlich am Ziel. Allerhand los hier. Kein Stehbecken frei! Na gut, rüber zu den Toilettenboxen, unterwegs vorbeugend schon den obersten Knopf aufgemacht. Verdammt! Die Türen sind zu. Zum öffnen braucht man ein 50-Pfennigstück. Die Geldbörse aus der Gesäßtasche gezerrt, der Kamm fällt herunter, den kann nun nicht mehr gebrauchen, Mist, nur Markstückel drin. In dem Moment geht vor mir eine der begehrten Holztüren auf. Eh die zuschnappt greife ich zu. Eine Wodka-Zwiebel-Knoblauchfahne weht an mir vorbei. Und drinnen erst! Der Dampf wäre gut zur Kriegsführung geeignet. Nase zuhalten geht nicht, wegen dem dringenden Geschäft, Luft anhalten auch nicht wegen gehetzter Atmung. Na, wenigstens 50 Pfennig gespart.

      Zurück in der Altstadt sind dann die schönen Steilwandzelte der Marke Pouch schon ausverkauft. Aber es sind noch einige Touristenzelte aus Baumwolle im Angebot. Das wundert mich nicht. Die haben zwar eine noch annehmbare Größe mit zwei mal drei Meter, aber die Form und die Farben! Vorn so Einssiebzig hoch, seitlich abfallend wie ein normales Hauszelt, unten mit einem 50 cm hohen Steg, aber nach hinten wird die Stoffbahn stetig niedriger, mit einer Endstehhöhe von 30 Zentimetern. Garantiert war das ein Neuerer- Vorschlag der Brigade „Juri Gagarin“ zur Stoffeinsparung. Nun kann die Zeltfabrik vom gleichen Material 31 statt 30 Konsumgüter produzieren.

      Als Farbkombinationen sind erhältlich: blau/grün, orange/braun, gelb/ocker. Ich entscheide mich für oranges Dach mit braunem Steg.

      Stolz, ganz allein nun doch mal was „Besonderes“ ergattert zu haben wird das Gebündel, der Zeltsack ist hellblau, auf dem Seitengepäckträger der MZ verschnürt.

      Und ab, auf die B115. Die 20 Kilometer sind locker in 17 Minuten zu schaffen. Das Wort Stau existierte damals in unserem Landstrich noch nicht, und Ampeln, verkehrsberuhigte Großzonen sowie sinnlose Rechts-vor-Linkskreuzungen gab es auch nicht.

      Zu Hause im elterlichen Grundstück mit Doppelhaus, Hof, Wiese und Komposthaufen den tschechischen Integralhelm abgesetzt, und sofort was gummrich Verbranntes gerochen.

      Gleich wird die Maschine gecheckt. Krümmer, Kettenschutz, Bremstrommeln, Alles Ganz und in Ordnung. Nur auf der Auspuffseite kräuselt was Bläuliches nach oben.

      Na, so was dämliches auch! Hab das Mobilheim natürlich genau über dem Endschalldämpfer verstaut, und dieser bleibt bei sportlicher Fahrt natürlich nicht kalt.

      Ein erster Aufbauversuch des Zeltes schlägt fehl. Die gummierte Fußbodenhaut zieht heiße Fäden beim entfalten des Stoffs. Nach dem Abkühlvorgang lässt sich das Stoffhaus gar nicht mehr auseinanderbreiten, Boden und Dach sind miteinander verschweißt. Da hilft nur noch Mutters große Schneiderschere. Die Geschwister fragen nachher, ob sich das „Fenster“ auch irgendwie zumachen ließe, bei Regen könne man sonst ja gleich draußen sitzen bleiben.

      Am nächsten Tag versuche ich in Bartels Ramschladen um die Ecke das Problem zu erläutern. Bis der Senjorchef selbst, darauf kommt, was heiß kaputtgeht, muss auch heiß repariert werden. Zu diesem Zweck verkauft er mir ein Großgebinde Stoffreparaturaufbügler.

      Das größte davon ist in Herzform und knallrot. Es gibt noch Recht- und Vierecke in grün und blau. Zwei Grüne, zwei Blaue und ein Stückchen vom roten Herz machen die Dachluke wieder dicht. Das Zubügeln vom Unterboden erweist sich als Schwieriger. Jedes Mal wenn der Boden mit dem Bügeleisen in Berührung kommt wird das Loch immer größer. Auch mit der geringsten Wärmestufe und drei lagen Aufbügler drüber. Das Kellerloch hab ich dann mit stark riechenden Industrieklebstoff und einer roten Kinderbettgummiunterlage repariert. Der Mutter musste ich ein neues Bügeleisen kaufen.

      Aber- nun bin ich im Besitz eines ganz individuellen Hauszeltes, das garantiert keiner klaut.

      Herr Hundertwasser wäre stolz auf mich.

      In der ersten Probenacht habe ich ganz bunt geträumt, und früh Kopfschmerzen wie nach einer kräftigen Sause. Der Klebstoff hatte wohl voll reingehauen. Lange Zeit wollte niemand mehr in dem Zelt schlafen........

      Das Zelt haben wir noch eine Weile genutzt.

      Wie wir dann zu einem Quek-Junior kamen und was wir weiter als Camper in einer historisch bewegten Zeit erlebten ...geht auch (bei Interesse) nachzulesen. s. dazu meine HP.

      ...noch was lesen? Paar Fotos dazu? Siehe auch meine HP



      Hoffentlich schimpft keiner weil´s so viel war....andererseits es muss ja keiner....bis zum Schluss lesen.
      Gruß an die Camper´s und ok ni jechen.
    • Touringfahrer, das war so eine Geschichte, die ich meinte! Stell dir mal vor, wenn du das Zelt einfach aus dem Katalog bestellt hättest (wenn es denn einen gegeben hätte), es wäre mit der Post gekommen, und alles wäre ok gewesen! Schade für uns, weil du dann nichts erzählt hättest. So war es schöner, auch wenn ich mir Wut und Ärger beim abladen und auspacken des Zelts sehr gut vorstellen kann!


      Peter
      Diesellandy


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      :motz: Freude ist nur ein Mangel an Information :motz:

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      #401GE


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      Die erbarmungsloseste Waffe ist die gelassene Darlegung von Fakten!
      (Raymond Barre)
    • Als ich noch ein Kind war, sind meine Eltern mit mir immer 14 Tage an die Ostsee zum Zelten gefahren.
      In Dierhagen Ost hatten wir jedes Jahr einen Zeltplatz auf einem FDGB Gelände.
      Ein HP 350 wurde immer voll beladen, mit allen was man so brauchte.

      - das Zelt
      - die Schlafkabine
      - die Stangen
      - die Heringe
      - der Zeltteppich (selbergenäht aus Zeltstoff)
      - der Windfang (selbergenäht aus Zeltstoff)
      - Besenstiele für den Windfang
      - 4 Stühle
      - 1 Tisch
      - 2 gruße Luftmatrazen
      - Kissen und Decken
      - eine Gasheizung
      - ein Gaskocher
      - ein Küchenklappschrank
      - eine Gaslampe
      - Koffer mit Anziehsachen für 14 Tage

      Unvorstellbar das wir damals mit so wenig ausgekommen sind.
      Mit dem Trabi ging es dann mit dem vollen Hänger und voller Besetzung 4 Personen auf reisen.
      Es war eine sehr schöne Zeit.

      Gruß Anja

      Unterwegs
      mit einem Ford Galaxy 1,9 TDI, am Haken ein Sterckeman 510 PE, 4 Kinder
      on Board und meine Rasselbande Pünktchen und Püppy
      :0-0:
      Unterwegs mit einem Chevrolet Orlando 2,0 TDI, ein Sterckeman Evolution 510 PE am Haken


      Datteln 2010,Eschwege 2010,OWL Stammtisch No. 7 2010,1.NLTiN 2011 War Super!!! Ostern 2011 Böhmeschlucht War Super!!! 2. NORTH ROUTE (RUT) 2011War Super!!!
    • savon99 schrieb:

      Als verwöhnter Wessi staune ich über den Abenteurmut den ihr DDR Camper hattet. Nach Bulgarien mit dem Lada via Rumänien. Ich staune. Tolle Geschichten.
      Wir, das heißt meine Frau und ich, haben diese Reisen damals nach Bulgarien durch die damalige CSSR – Ungarn – Rumänien bis an das schwarze Meer gar nicht so als Abenteuer empfunden. Erst im Nachhinein empfanden wir sie doch recht abenteuerlich.
      Wir waren damals aber auch so was von unerfahren und blauäugig, was sollte denn auch passieren. Es ist ja auch nichts schlimmes passiert, Gott sei Dank.

      Wir hatten die Reise ganz gut vorbereitet. Der Qek wurde beladen bis nichts mehr rein geht. Wir waren ja vier Personen und vier Wochen durften wir bleiben. Also mußte alles aber auch alles von Kartoffeln über Milch Butter Wurst usw. mit genommen werden. Geld konnte man auch nur begrenzt umtauschen. Pro Person pro Land durfte man eine bestimmte Summe umtauschen die für so eine Reise viel zu wenig war, davon mußte ja getankt werden die Campinggebühren bezahlt werden usw. Ich hab das ja schon mal beschrieben. Mehr Geld haben wir aber sowieso nicht zusammen sparen können.
      Jedenfalls sind wir dann mit unserem Lada 2101 60 PS und den total überladenen Qek voller Reiselust los gefahren. Meine Frau und ich und auf der Rückbank unsere beiden Mädels
      7 und 12 Jahre alt. Die ersten 100 Meter ging es über Kopfsteinpflaster und meine Frau sagte,“Uwe schau mal nach hinten, da kommen Funken raus“. Ich also schnell mal raus um zu sehen was da funkt. Aber es waren nur die Wohnwagenstützen die ab und zu mal Bodenkontakt hatten. Auf asphaltierter Straße war dann alles wieder im grünen Bereich und der Qek wurde ja von Tag zu Tag immer leichter. So haben wir
      also froh gelaunt unser Reise fortgesetzt. Als wir dann schon ein ganzes Ende in der CSSR waren leuchtete plötzlich im Auto die Zündlampe, ach du Sch...... was nun. Ich wußte, wenn die Zündlampe leuchtet dann wird die Batterie nicht mehr geladen. Nachdem wir noch eine ganze Strecke, immer mit dieser leuchtenten Lampe im Auge, gefahren waren haben wir dann auf einem Dorf nach einer Werkstatt gefragt und die lieben Leute haben uns auch zu einer Werkstatt geschickt. Die haben aber keine Pkw`s repariert nur ihre uralten Traktoren. Jedenfalls ein „Spezialist“ meinte er kann das Problem lösen. Wir waren heil froh. Der hat sich dann auch drüber gemacht und siehe da die Lampe ging aus. Helle Freude bei uns, tausend Danksagungen und weiter ging die Fahrt.
      Es wurde schon dunkel und wir mußten uns einen Übernachtungsplatz suchen. Campingplätze gab es ganz wenige also haben wir wild genächtigt. Im dunkel haben wir dann einen kleinen Stellplatz an der gegenüberliegenden Straßenseite gesehen. Die Straße war ziemlich schmal und wie gesagt es war schon dunkel. Ich also schön weit nach rechts ausgeholt um auf der Straße zu wenden. Das ist mir
      auch gelungen aber es hat fürchterlich gekracht dabei. Also mit der Taschenlampe geleuchtet und da sehe ich auch schon die rechte hintere Wohnwagenstütze neben den Wohnwagen herrausragen. Ich bin also an einem großenStein hängen geblieben. Der Schaden war reparapel und also nicht so schlimm.
      Wir haben dann auf dieser Stelle versucht zu nächtigen.
      Mitten im tiefsten Schlaf hat uns plötzlich ein unheimliches Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Es war als wenn eine Eisenbahn mitten durch unseren Wohwagen rast. Wir waren völlig verstört. Als es hell wurde haben wir gesehen, daß wir mitten in einer Kurve am Rand einer Eisenbahnstrecke unser Domizil aufgeschlagen hatten.[

      unser Übernachtungsplatz in der Bahnkurve pop_Beyerland_Sprinter_350_06.jpg