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Mein erster Ungarnurlaub

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    • Mein erster Ungarnurlaub

      Mein erster Ungarnurlaub

      Warum sollte ich denn nun in Gottes Namen nach Ungarn fahren? Hatte ich nicht ganz Westeuropa zur Verfügung? Italien, Frankreich Spanien, war doch so schön. Da war ich immer mit dem Wetter zufrieden, oder einfach nur Bayern, ein wenig Bergwandern, oder das freundliche Österreich, warum also Ungarn? Es gibt nur eine Erklärung: Es wurde ganz einfach zum Treffpunkt zwischen uns und der Schwester meiner Frau.
      Alles hatte eigentlich damit angefangen, dass meine Schwiegermutter aus der DDR bei uns zu Besuch kam, da sie Rentnerin war. Sie fing dann irgendwie an zu nerven, wir sollten noch mal zur DDR kommen, weil ja nun die Schwester nicht kommen dürfte. Ich hatte aber der Schwester schon öfters angeboten, uns in Ungarn zu treffen, da ich das von Campingfreunden wusste. Gut, meine Schwiegermutter fuhr zurück, und es dauerte nicht lange da kam die Zustimmung wir treffen uns. Termin war ausgemacht, also fuhren wir los.
      Ab Nürnberg wurde es schwierig, die Autobahn Passau - Linz, da waren noch sehr große Lücken, die war noch nicht fertig. In Passau musste man mitten durch die Stadt fahren, und dann ging es die B 8 bis Linz. Eine wunderschöne Strecke. Auch in Wien musste man mitten durch die Stadt, und dann die Strasse 10 bis Nickeldorf. An der Grenze musste man zuerst mal für ein Visum anstehen. Nach ca. 2 Stunden hatte ich das Visum. Der Pflichtumtausch pro Person betrug 17 DM pro Tag des Aufenthalts. Fuhr man früher zurück, bekam man das Geld nicht wieder, sondern musste das an der Grenze deponieren, da man Geldscheine nicht ausführen durfte. Dann noch 2 Stunden warten am Übergang, dann waren wir im Land und sind zum Balaton gefahren.
      Nach der Besichtung von ein paar Campingplätzen sind wir in Zamardi gelandet, und haben meiner Schwägerin eine Karte geschickt, die kamen eine Woche später,und mussten ja wissen wo wir sind. Wer hatte damals ein Handy oder in der DDR ein Telefon?

      [IMG:http://up.picr.de/3626757.jpg]

      Tage später kommt ein DDR Mann, der Wilfried aus Zwicke und fragt: Kollege hast du einen 14 Ringschlüssel? Nein, sage ich, ich habe einen Nusskasten, schau mal, ob du den brauchen kannst? Er konnte den Kasten brauchen, und am anderen Tag brachte er den zurück, mit einer Einladung, ich sollte abends auf ein Bier vorbeikommen. Dann wurde erzählt, und er sagte, bei uns die Leute sind doch verrückt, wenn einer kommt und sagt, in Berlin gibt es keine Schnürsenkel, dann läuft alles Schnürsenkel kaufen. Neulich kam einer, und sagte in Berlin gibt es keine Haarklemmen, da sind sie alle wieder losgerannt und haben gekauft. Ich habe das denn auch ein bisschen als Märchen aufgefasst.
      Nach ein paar Tagen kam dann die Schwägerin mit Mann und Sohn und baute neben meinen Wohnwagen das Zelt auf. Ganz aufgeregt kam der Direktor gelaufen und sagte, Ost und West nebeneinander, das ist nicht gut. Ich habe dann gesagt schauen sie mal, nicht Ost und West, die 2 Frauen sind Schwestern. Schwester? Meinte er. Dann ist er abgezogen. Wir sind dann an einen Tag nach Siofok gefahren, an die Geschäfte geschaut, und damals hatten die die Geschäfte schon schön dekoriert, und an einen Geschäft sagt meine Schwägerin zu ihren Mann, was meinst du, sollen wir mal hier reingehen, und fragen, ob die Haarklemmen haben?
      Solche Treffen machten wir bis 1980 alle 2 Jahre, zwischendurch fuhr jeder hin, wohin er wollte. Was mir damals aufgefallen ist, die DDR Leute wunderten sich am meisten, das es so ein reichhaltiges Angebot gab, an Waren, Lebensmittel, und vor allen Dingen, das es das jeden Tag gab. Oft habe ich mich geschämt als Westdeutscher, wie die Westdeutschen mit den Ostdeutschen umgingen, wenn sie versuchten, billige Strumpfhosen aus dem Aldi teuer zu verkaufen, oder nur schon wie sie mit den Leuten umgingen.
      Bei der Ausreise war es einmal 4 Stunden, die ich gewartet habe ehe ich von Mosonmagyarovar bis an der Grenze war.
      Aber trotz allen war es für uns eine schöne Zeit, und wenn ich heute höre, das junge Menschen sagen, hoffentlich fällt bald die Grenze weg, dann denke ich immer: Mein Freund, du kannst froh sein, das du die früheren Zeiten nicht hast kennen gelernt.


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      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Der neue Treffpunkt

      Der neue Treffpunkt

      1974 war unser neuer Treffpunkt. 72 hatte es so gut geklappt, es war nicht das Land der Hunnen wie wir anfangs befürchtet hatten, sondern da lebten Menschen wie wir. Um 2 Stunden an der Grenze zu sparen, hatten wir uns im Reisebüro das Visum besorgt. War zwar 10 DM teuer, aber dafür waren wir schneller durch die Grenze. Dafür standen wir jetzt in Mosonmagyarovar und warteten auf die Schwester. Als sie dann kam, nach 3 Stunden, war es schon nach 20 Uhr, und wir beschlossen, dort auf dem Parkplatz zu übernachten, im Wohnwagen.
      Heute hätte ich schon ein Problem damit, aber damals war Ungarn noch sehr sicher. Und wir waren auch nicht die Einzigen. Wir standen gut behütet zwischen Trabbis und Ladas aus der DDR. Am nächsten Morgen nach den Frühstück ging es dann los, in Richtung Balaton.

      [IMG:http://up.picr.de/3626776.jpg]

      Aber was war das? Was im ersten Jahr so schön geklappt hatte, den Campingplatz zu besetzen, klappte nicht. Er war voll. Selbst ein Empfehlungsschreiben der Bank deutscher Länder, mit einen 20er Aufdruck wurde ignoriert. Also suchen gehen. In Balatonszemes auf dem Campingplatz Hullam (gibt es heute nicht mehr) wurden wir fündig. Es war ein sehr schöner Platz, nur in der Gegend gab es damals wenig Csardas.
      In diesem Jahr wurde dann beschlossen, Land und Leute kennen zu lernen. Auf den Campingplatz gab es so gut wie keine Ungarn, die Camping machten.
      Wir wollten nach Budapest, und ich habe dann Erkundigungen beim Platzwart eingeholt. Wichtigste Information war: 2 Forintstücke für die U-Bahn mitnehmen. An der U-Bahn waren Drehkreuze, und nach Einwurf von 2 Forint konnte man durchgehen.
      Budapest war damals noch nicht wiederhergestellt. Überall gab es noch zerschossene Fassaden. Auch haben wir damals empfunden, die Fassaden müssten mal neu gestrichen werden.
      Bevor wir nach Hause fuhren wurde dann richtig eingekauft. 5 Salami aus dem Intertourist, Käse, 5 Stangen Zigaretten, Spirituosen, fast alles war viel billiger als bei uns. Kartuschen für Siphon und auch für Sahne kosteten nur ein paar Pfennige. Als gelernter Schmuggler von der Grenze konnte ich mit Zöllnern umgehen.
      An der Grenze kamen die ung. Zöllner, wollten den Wohnwagen sehen. Bitte meine Herren (sie kamen immer zu 2) kommen Sie rein. Ich holte dann 2 eiskalte Büchsen Cola, die ich extra noch von Deutschland aufbewahrt hatte, aus den Kühlschrank. Bitte meine Herren, es ist sehr warm, kann ich Ihnen was anbieten. Dann wurde geredet, wo waren Sie, was arbeiten Sie (immer tiefstapeln), haben sie Waren mit. Ja, Salami und Zigaretten, Bescheinigung vom Intertourist, dann durfte man, man hatte ja mit Valuta bezahlt, dann hinter verhohlender Hand habe ich versteckt für deutschen Zoll, und kam der Gruss, dann gute Fahrt.
      An einer Raststelle hat einer zu mir gesagt, Mensch, die haben doch wohl alles auseinander gerissen, ich stand hinter Ihnen, die waren doch 20 Minuten bei Ihnen drin. Ja, so ist halt das Leben, was dem einen sein Leid ist dem anderen sein Freud. Aber in dieser Zeit hat meine Frau nicht gearbeitet. Wir waren damals eben froh, ein so billiges Land gefunden zu haben. Und ich bin ehrlich, in einen westlichen Land wäre es uns nicht möglich gewesen, die Verwandte etwas zu sponsern.
      Schon damals hat mich die ung. Natur, Laubbäume man konnte an den Rändern der Felder Wildblumen pflücken sehr gut gefallen, und die Nachteile, lange an der Grenze stehen, oft in der sengenden Hitze, das nahm man in Kauf


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      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Der Übergang West Ost

      Der Übergang West Ost
      Wie war das denn im Kommunismus mit der Grenze von Österreich nach Ungarn?
      Für die jungen Leute, die das nicht kennen will, ich das hier mal aufschreiben.
      Das fing ja schon vor Wien mit Verzögerungen an. Man konnte Wien nicht umfahren, sondern musste mitten durch. Man suchte die Bundesstrasse 10 in Richtung Neusiedlersee, und dann ging es bis Nickelsdorf, so 80Km, nur Landstrasse.

      [IMG:http://up.picr.de/3626817.jpg]

      Die österreichische Grenze hatte man ja sehr schnell hinter sich, obwohl die auch oft streng kontrollierten. Dann kam man an die ungarische Grenze.
      Langsam fuhr man durch Kurven und durch Schlagbäume mit gewaltigen Ausmaß bis zur Grenze Hegyeshalom. Hier stand man nun in mehreren Reihen und wartete zuerst einmal.
      Wenn man sich zu Hause kein Visum bestellt hatte dann hat man schon vorher eine Stunde gestanden bis man seinen Pass mit Visa bekam. Doch bei mir war das nie der Fall. Ich kam immer schon mit Visa an. Ein Grenzer kam und sammelte die Pässe ein.
      Man stand und stand und stand und wartete. Oft war es glühend heiß im Auto, und wer hatte denn damals schon eine Klimaanlage.
      Einmal musste ich mal zur Toilette und bin ausgestiegen, was eigentlich verboten war. Man musste im Auto bleiben.
      Es kam sofort jemand: Wohin? Ach, ich muss zur Toilette. Gehen Sie da drüben in das Gebäude. Es begann ein Spießrutenlaufen So alle 10m stand jemand mit einer Kalaschnikow und jeder frug. Wohin?
      Der nächste hatte gesehen, dass sein Vorgänger gefragt hatte. Aber das hielt ihn nicht davon ab, auch zu fragen.
      Wenn man dann, so nach einer halben Stunde, seine Pässe zurückbekam, war man heilfroh. Es geht weiter.
      Nach einen Stück wurde man wieder angehalten: Haben Sie was zu verzollen? Haben sie Waffen, pyrotechnische Erzeugnisse? Endlich ging es dann weiter, und man hat sich gefragt: Habe ich das eigentlich nötig? Nie mehr komme ich hierher. Es ging über Landstrassen, die damals teilweise noch sehr schlimm waren, runter zum Balaton.
      Nie mehr Ungarn, hat man gesagt. Nächstes Jahr standen wir wieder in der Reihe.
      Wenn ich heute irgendwo hier lese: Hoffentlich fallen bald die Grenzen, dann denke ich zurück an die vergangene Zeit und ein Lächeln kommt auf meine Lippen.
      Mit einen eigenen Bild kann ich nicht aufwarten, es war an der Grenze strengstens verboten, zu fotografieren, und ich wollte meine Wartezeit nicht noch durch Probleme verlängern


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      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Der Eigenbau

      Der Eigenbau
      Wir waren wieder mal in Ungarn, saßen vorne am Campingplatz in einen Restaurant, als ein Wohnwagengespann reinfuhr.
      Mein Frau sagt was ist denn das für ein Modell. Das habe ich noch nie gesehen.
      Ich kannte es aber auch nicht. Als wir zu unseren Wohnwagen zurück kamen, hatte sich das neue Gespann neben uns gestellt. Es waren Leute aus Zwickau, und wie sich herausstellte, war der Wohnwagen ein Eigenbau. Sie hatten eine kleine Tochter die so vom Alter zu meinen Sohn passte.

      [IMG:http://up.picr.de/3626835.jpg]

      Am anderen Morgen ging also der Mann über den Platz und suchte einen 14 Steckschlüssel. Einer bot ihm dann einen an, der sah aus wie ein Kerzenschlüssel, also aus ganz einfachem Material. Wolfgang hieß der Zwickauer, sah sich den Schlüssel von einen anderen DDR Mann an und meinte, Mensch so einen habe ich doch schon abgewürgt. Ich habe einen Ventilschaden am Moskwitsch, muss den Zylinderkopf abschrauben. Ich bot ihm meinen Nusskasten mit Ratsche an. Ein Blick von Wolfgang, dann meinte er: Wo hast du den denn geklaut? Im Moment verschlug es mir die Worte. Da warf ich ein: Du, den habe ich gekauft. Ich bin Schlosser und Schmied, mir kannst du nichts weissmachen, das ist Profiwerkzeug, das kannst du nicht kaufen. Na ja, er konnte den *geklauten* Nusskasten brauchen. Ich habe ihm noch geholfen das Ventil zu wechseln was für mich eine neue Erfahrung darstellte, das man auch unter primitiven Vorraussetzungen so was auf dem Campingplatz machen konnte. Mit einen Hammer und einen Beil wurde die Ventilfeder runter gedrückt, er nahm die Halbschalen raus und dann konnte man das Ventil einbauen. Habe ihn dann gefragt, ob er Schleifpaste hat, weil Ventile eingeschliffen werden müssen. Och sagt er, der Händler hat gesagt, bei russichen Autos braucht man das nicht. Also neue Kopfdichtung drauf, Zylinderkopf wieder montiert, Auto lief wieder. Dann klopfte er immer an meine Wohnwagenscheiben, und meinte, an solche Fenster müßte ich auch mal drankommen. Ich sage du hast doch schöne Scheiben drin. Ja sagt er, das ist 4 mm Fensterglas. Habe bis dato bezweifelt, das man normales Fensterglas einbauen kann, obwohl ich mal einen der ersten Eifelland gesehen habe, der hatte eine Scheibe kaputt, das bröckelte wie Einscheibensicherheitsglas. Abends hat Wolfgang uns denn zu einen Radeberger Bier eingeladen. Das erstaunlichste für DDR Leute war nicht, das es fast alles in Ungarn gab, sondern das es dies dann immer gab heut morgen übermorgen. Hinter mir stand ein Mann aus Sachsen, er frug meine Frau, ob ich nicht ein Ladegerät hätte, da er die Batterie leer hat. Meine Frau sagte, ich hätte ein Ladegerät. Ich war dafür etwas böse, denn ich hatte das Gerät im Wohnwagen eingebaut. Aber wie es so ist, habe ich dann doch immer eine Idee, habe also mein Auto mit dem Wohnwagen verbunden, das Gerät ladet dann die Autobatterie. Von dort habe ich ein Stromkabel, wo ich die Stecker entfernt habe, zu den Wartburg gelegt. Der Strom, der floss, war zwar nicht berauschend, aber es ging. Und alle paar Tage kam der Mann, kann ich mich nochmal anschließen, meine Batterie ist nicht mehr in Ordnung, ich kaufe mir hier eine schwedische, die sind besser.
      Nach einiger Zeit kam er wieder, und sagt, er wäre oben am ABC Laden. Es gingen wieder die Blinker nicht.
      Was sage ich, während der Fahrt ? Dann ist nicht die Batterie kaputt sondern die Lichtmaschine. Ich also den Wolfgang geholt, und ihm gebeten, doch mal mit nach der Lichtmaschine zu schauen. Einfache Sache, die Kohlen waren verbraucht. Wir also nach Siofok gefahren, da gab es eine Werkstatt: Mercedes, Wartburg, Trabant. Dort nachgefragt, nein hatten die nicht, wir sollten zur Siobrücke fahren. Dort nachgefragt, der hatte die Kohlen auch nicht, aber von einen russischen Fahrzeug. Die müßt ihr was abfeilen, dann passen die. Zwei Kohlen in einem Päckchen für 28 Huf. Dann auf der Rückfahrt kam noch eine Werkstatt, da sind wir nochmal rein, und haben nachgefragt. Jawohl die hatten die. Zwei Kohlen für 28 Huf, aber sie wollte 60 Huf haben. Als ich auf den Preis hinwies, meinte die Frau, wir haben auch Arbeit. Nein sagte ich, dann nehmen wir die nicht. Jetzt spielte der Eigentümer vom Wartburg (weiß den Namen nicht mehr) verrückt, und sagte, dann hätte ich doch gerne die richtigen Kohlen. Mit Mühe habe ich ihn rausbekommen, und habe gesagt, schauen Sie mal, ich habe die richtigen Kohlen. Wie haben Sie das denn gemacht? Och sage ich, ich habe ihr die russischen Kohlen zurück gegeben.
      Nach dem Einbau der Kohlen funktionierte das Auto auch wieder.


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      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Ein neuer Platz

      Ein neuer Platz
      Wir wollten in diesen Jahr wieder nach Balatonszemes fahren, doch den Campingplatz gab es nicht mehr. Er war als Jugendlager eingerichtet worden. Bis dahin gab es auf jeden Campingplatz einen Teil als Jugendlager, wo sich die Jugendlichen aus allen Ländern des Ostblocks trafen. Es war vielleicht nicht gut, wenn die Jugendliche sahen, wie der Klassenfeind lebte. Natürlich war das oft ein Irrbild. Wie gesagt, ich habe mich oft geschämt, über die Angebereien der Westdeutschen. Wir gingen also wieder auf die Suche. In Szantod Rev, da gibt es einen kleinen, netten Platz direkt hinter der Rev-Csarda, da wurden wir fündig. Natürlich, die Waschgelegenheiten und Toiletten, das war nicht gerade unser Standart, aber es war immer sauber, und die Ungarn benutzten die auch, dann konnten wir das doch auch.

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      Vom Campingplatz, der einen schönen Grasstrand hatte, konnte man die Fähren fahren sehen. Damals kosteten die Fähren nur ein paar Groschen, und so waren immer alle 4 Fähren unterwegs. Ich saß am Strand, und vor mir saßen 4 Jungs, so 10 Jahre alt. Sagt der eine:,, Mensch, da hat man mir gesagt, in Ungarn gibt es so guten Kaugummi, aber ich habe den schon alle durchgelatscht, der ist auch nicht besser als unserer in der DDR!“ Ich konnte mich von lachen nicht halten, hab dann den Jungs jeden eine Mark gegeben, und gesagt, sie sollen mal in das kleine Büdchen da gehen, die hätten welchen, den sollen sie mal probieren.
      Das war ein Intertouristshop. So ein Päckchen Kaugummi kostete 0,40 DM. Die sind dann abgesaust zu dem Laden, und kamen kauend zurück. Die Intertourist-Shops waren eine Quelle um Valuta einzunehmen. Neben ausländischen Waren wie Zigaretten, Cognac, Getränke usw. wurden auch einheimische Waren, die sonst schwer zu bekommen waren, angeboten, wie zum Beispiel Salami. Oder Waren, die normal nicht ausgeführt werden durften, wie Briefmarken für Sammler.
      Eines Tages kam mein Sohn und sagte, du Paps, vorne stehen viele 280ger Mercedes als Polizeiautos, komm mal mit. Und wirklich standen da 6 große Mercedes als Polizeiautos, und die Polizisten waren ganz toll eingekleidet. Man sah, das waren Maßanzüge. Vorne, an der Strasse, stand der Vergleich: ein normaler Polizist mit Lada regelte den Verkehr. Ich denke, frage mal einen von den Polizisten, was hier los ist. Einer aus der Gruppe sprach deutsch, und erklärte, der Waldheim wäre auf Besuch in Ungarn, und wäre jetzt in der Revcsarda. Der Waldheim war damals noch der Generalsekretär der UNO. Damals war in Ungarn so ein großer Mercedes noch eine Sehenswürdigkeit.
      In diesen Jahr hatten wir uns vorgenommen, die Grotten von Tapolca und die Herender Porzellanmanufaktur zu besichtigen.
      Von den Grotten waren wir enttäuscht, man ging eine Treppe runter, stieg in einen Kahn, fuhr eine Runde durch Grottengänge. Das war es auch schon.
      Aber das Porzellan. Davon waren wir hellauf begeistert. Wunderschöne Sachen wurden da angeboten. Nicht nur Gebrauchsporzellan, sondern auch Zierporzellan, Figuren, wunderschön anzusehen. Zum Schluss kam man dann durch einen Laden, wo man kaufen konnte. Unsere Verwandte hatten das Geld nicht, konnten nicht genug umtauschen, und ich konnte es mir damals nicht leisten, da meine Frau nicht arbeitete. War schon schwer ohne was zu kaufen durch den Laden zu gehen.
      Was mein Schwager immer so ärgerte: Ich wurde, wenn wir irgendwo hingingen, oft angesprochen, wollen Sie Geld tauschen, und meinen Schwager frug nie jemand. Woher wissen die, dass ich aus der DDR bin, meinte er dann.
      In der Zeit war es unwahrscheinlich schwer, mit Ungarn Kontakt zu bekommen Auf dem Campingplatz waren sie eigentlich nicht vertreten, es war ihnen zu teuer, auch in Gaststätten traf man sie so gut wie nie. Wenn man jemand suchte, der Deutsch konnte, dann musste man ältere Leute suchen. Ältere Leute konnten meistens deutsch, jüngere zu der Zeit wenig.
      Wir gingen abends viel an den Vorgärten spazieren. Interessant war, fast jeder hatte ein schwarzes Fass auf hohen Füssen stehen. Das waren die Brausen, die von der Sonne erwärmt wurden. Man kann es nicht glauben, wie warm das Wasser an einen schönen Tag wurde.
      Einmal sagte meine Frau zu mir: Schau mal die schönen Blumen. Da kam der Mann sofort und sagte, warten sie, schnitt meiner Frau Blumen ab, und schenkte sie ihr. So was hatte ich noch nicht erlebt. Ein andermal schauten wir bei den Angler zu, und mein Sohn bekam einen Fisch noch lebend geschenkt. Ich wollte ihn überreden den armen Fisch doch wieder schwimmen zu lassen, aber er sagte, Papa, der schmeckt gut.
      Ich hatte aber schon einen Freund in Balatonseplak-Felsö. Ich hatte ihn 2 Jahre vorher, als ich in Rosenheim war, kennen gelernt. Das Jahr habe ich bewusst ausgelassen, meine Frau hatte sich eine Iritis in Ungarn zugezogen, und ich bin dann nach Rosenheim zum Augenarzt. Dort lernte ich Gusztel auf den Campingplatz kennen. Wir haben bis voriges Jahr, wo er verstorben ist, eine tiefe Freundschaft gehabt. Gusztel hat mir sehr viel in Ungarn gezeigt. Er hat dann auch einen großen Anteil dran das ich dann auch eine tiefe Beziehung zu Ungarn bekommen habe. Er ist auch im Ort sehr beliebt gewesen, auf dem Ortsschild Balatonszeplak Felsö hat Jemand vor den Felsö seinen Familiennamen gesprüht. Zumindest voriges Jahr stand der Name noch da. Ein Freund in dieser Zeit war sehr viel Wert, denn wenn man mal grillen wollte, brauchte man sehr viel Organisationstalent um Fleisch zu bekommen. Mein Gusztel wusste immer wo man was bekam. Und wir haben ihn dann zum Essen eingeladen. Aber das nahm er auch nicht so hin, das nächste Mal mussten wir bei ihm essen. Ich denke oft an Gusztel. Er war ein wunderbarer Mensch. Wenn man damals abends mal wie hier in die Rev-Csarda gehen wollte, dann musste man Plätze reservieren, es war alles überfüllt. Das ist nun heute nicht mehr so


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      vom Willipitschen
    • Der Seifenkönig

      [/i]Der Seifenkönig


      Wir waren wir in Zamardi auf Auto´s 1 in Urlaub. Unsere Österreichischen Freunde aus Axams in Tirol waren auch dort. Es war sehr warm an den Tag, und meine Freundin stand mit meiner Frau zusammen und plauderte. Sie hatte gerade die Kartoffeln gewaschen und stand jetzt mit ihren Kessel Kartoffel und Wasser dort. So im vorbeigehen habe ich mit einen Finger vorne unter den Kessel gehoben, der Kessel drehte, und meine Freundin schüttete sich das Wasser und die Kartoffeln über ihren Bauch, der nur mit einen Badeanzug geschützt war. Oh, was hat sie gefeixt.
      Ich konnte mir schon denken, das sie das nicht ungerächt hinnahm aber ich nahm mir vor, aufzupassen, und ihr keine Chance einzuräumen. Doch wie das so ist, der Wille ist stark, und das Fleisch oft schwach.
      Ich hatte mich also zu einen Nachmittagsschlaf hingelegt und mir vorgenommen, nur nicht einschlafen. Ich wollte sie erwischen, wenn sie was vorhatte. Doch dann ist es doch passiert. Ich träumte, eine Hand strich über meinen Bauch, was nicht unangenehm war. Darüber wurde ich wach, und die Gerda rieb mir den Bauch mit so einem blauen Zeug ein. Im ersten Moment habe ich gedacht, das ist Tinte, ich also auf, was ist das denn für eine Schweinerei, mit einer Hand das Zeug abgestreift, hinter ihr her, und ihr damit den Rücken eingerieben.
      Zum Glück war es keine Tinte, sondern so Zeugs zum Duschen. Anstatt uns jetzt in die Dusche zu stellen, haben wir uns an den Brunnen, wo man Wasser holt, unter den Hahn gelegt, und die Seife abgewaschen.
      Rundherum war ein Gelächter von den anderen Gästen, und Gerda sagte: Mei, was sind wir blöd, warum gehen wir nicht zur Dusche.
      So ist das auf einen Campingplatz: Langeweile kommt da nicht auf.


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      vom Willipitschen
    • Der Fahrraddieb

      Der Fahrraddieb
      Die Seifenschlacht war ja nun Unentschieden ausgegangen. Das heißt aber, auf mich sollte noch etwas zukommen, so wie ich die Gerda kannte. Und das passiert also immer dort, wo man es nicht erwartet.
      Ich habe einen tiefen Schlaf, gutes Gewissen ist ein schönes Ruhekissen, da weckt mich meine Frau, und sagt, das ist ein Krach hier, schaut aus dem Fenster, und sagt, uns haben sie Tisch und Stühle geklaut. Ich also raus, meine liebe Freundin hatte die Sachen vor der Zelttüre so aufgebaut, das ich nicht mehr raus kam. Also an der anderen Seite habe ich noch eine Türe, da zuerst mal den Kocher wegräumen, damit ich raus kam, um aufzuräumen. Ich hörte meine allerliebste Freundin im Zelt kichern. Na ja, kommt Zeit kommt Rat, und irgendwas würde mir schon einfallen, den schwarzen Peter wieder zurückzugeben.

      [IMG:http://up.picr.de/3626891.jpg]

      Mein Sohn ging also am nächsten Abend mit der Gruppe zur Disco, und ich habe ihm gesagt, wenn ihr zurück kommt, dann hängt ihr Gerda´s Fahrrad in den Baum. Der Tamás hat eine Leiter da stehen, die könnte ihr holen, und ich lege das Abschleppseil ins Vorzelt.
      Trotz mein gutes Gewissen habe ich sie Nachts gehört, wie sie lachten. Ich also den Wecker gestellt, und morgens früh raus.
      Mit der Videokamera habe ich mich auf die Lauer gelegt. Meine Freundin kam raus, hat was gekramt, und dann gleich nach ihren Fahrrad geschaut. Der Verdacht fiel sofort auf mich, denn sie ging sofort um meinen Wohnwagen und suchte ihr Fahrrad. Dann ging sie zum Zelt und schrieb einen Zettel:
      Willi rück das Radl raus, sonst mache ich dir den Garaus.
      Auf den Weg zur Toilette kommt ihr eine Nachbarin entgegen, und sagt: Du Gerda, wieso hängt dein Radl dort im Baum?
      Dann, in der Früh, kam sie zu mir und sagte: Du, Willi, das war traumhaft, was du gemacht hast, können wir das Radl nicht noch bis morgen hängen lassen?
      Ich ahnte, das da noch was kam, so wie ich Gerda kannte, war das noch nicht ausgestanden.
      Ich sollte mich auch nicht geirrt haben.


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      vom Willipitschen
    • Gerda´s Rache

      Gerda´s Rache


      Wie heißt es doch so schön im Sprichwort: Wer kegelt muss auch mit aufstellen. Ich hatte ja nun gekegelt, und das es nicht schon zu Ende war, das war mir klar, zumal meine Freundin dann auch noch sagte: Mensch, das war toll, können wir das Radl nicht noch was hängen lassen? Ich hatte es hinhängen lassen und sie wollte es hängenlassen, das ist doch nicht normal. Aber in welcher Richtung es jetzt weiterging, war mir vollkommen unklar. Na ja, ich würde es wohl erfahren.
      Am Abend kam mein Freund aus Weinböhla, und sagte: Du Willi, wir wollen morgen mal nach Igal ins Bad, willst du mitkommen? Klar, wollte ich, musste ja wohl auch an meine Kniee denken.

      [IMG:http://up.picr.de/3626935.jpg]

      Wir sind also am anderen Tag in der Früh los, und ich dachte, na ja, heute bin ich weit vom Schuss, da kann mir nichts passieren, zumal Gerda ja nicht mit wollte.
      Am Abend kamen wir geschafft vom Bad zurück. Als wir in die letzte Strasse vom Campingplatz einbogen, da sagte schon mein Freund: Was hängt denn dort für eine Leiche, oh weh, da hängt der Willi. Ich konnte es nicht glauben: Mein Sohn hatte doch tatsächlich von mir Kleider rausgegeben, wovon dann meine "liebe" Freundin eine Leiche gebastelt hatte. Daran hing unten ein Zettel mit der Aufschrift:
      SO ERGEHT ES ALLEN ÜBELTÄTER
      DEN EINEN FRÜHER
      DEN ANDEREN SPÄTER.
      Mein Sohn sagte, du kannst dir nicht vorstellen was hier los war, den ganzen Tag sind hier Leute vorbei gegangen, und die Kommentare waren, von ein toller Scherz, bis das ist doch makaber. Na, in diesen Jahr hatte ich keine Lust mehr noch was auszuhecken, ich musste eingestehen, meine Freundin hatte gewonnen, und für dieses Jahr war es genug.


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      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Die Zeitung

      Die Zeitung

      Mein Freund aus Axams in Tirol hat sich immer nach Ungarn seine Tiroler Zeitung schicken lassen. Die Post legte die Zeitung vorne ab und dann konnte man sich die Zeitung von dort mitnehmen. Wenn ich dann mit dem Fahrrad vorbeikam, und die Zeitung sah, nahm ich eben die Zeitung mit für Walter.
      In einen Jahr mußte Walter früher nach Hause fahren. Nachdem er weg war kam seine Zeitung an. Die habe ich dann auch mitgenommen, schön eingepackt und dann im Wäschefach vom Wohnwagen verstaut.
      Ein Jahr später habe ich mir das Datum angeschaut, und wie es dann so passen würde. Ich habe die Zeitung genommen, bin nach vorne gefahren, als wenn ich was holen muß, und als ich zurückkam, habe ich Walter die Zeitung gegeben. Danke Willi hat er noch gemurmelt.
      Ich habe mich dann hingesetzt, und geschaut, wie Walter seine Zeitung gelesen hat. Nach einiger Zeit poltert er los: Du bist ja ein Witzbold, bringst mir eine Zeitung, ich lese, denke, das kenn ich doch schon alles, was hier drinsteht, schau ichs aufs Datum, ist die Zeitung ein Jahr alt.
      Ich habe dann gesagt, Walter, ich kann doch nichts dafür, wenn bei euch in Österreich die Post so langsam geht.
      Also, Alzheimer hat mein Freund nicht, sonst wäre ihm das nicht aufgefallen


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      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Das Autorennen

      Das Autorennen
      Nein was ist man doch oft blöd
      Es war in den Jahr 1999 als Michael Schumacher sich in Silverstone die Beine gebrochen hatte. Das Rennen stand an, und ich wollte das unbedingt sehen. Bei uns auf dem Campingplatz gab es ein kleines Restaurant, die auch einen Fernseher laufen hatten. Dort wollte ich mir das Rennen anschauen. Es war an dem Tag sehr heiß, und so bestellte ich mir ein großes Bier dort. Vor mir saß einer in einen Ferrarihemd und wie man an der Sprache hören konnte, kam er aus dem Rheinland. Als dann ein anderer Zuschauer sagte, hoffentlich verliert der Schumacher heute, knurrte er: Wat bes du dann för ennge?
      Gut, das Rennen fing an, und mein Bier war leer, also bestellte ich mir noch eins. Noch spannender als das Rennen waren die Reaktionen von dem mit dem Ferrarihemd. Nach den 3. Bier fuhr Schumacher in den Reifenstapel, wo er sich so schwer verletzt hat. Na ja, das Rennen hatte an Spannung verloren, und so dachte ich, fährst du lieber mit der Frau noch was Fahrrad.
      Das hätte ich lieber nicht gemacht.

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      Wie man sieht, kommt mein Freund, der Räuber, mit einer Angel an

      Also, auf dem Rad kam ich relativ noch gut. Aber die Balance, das war das Problem. Wir wollten zum Freistrand nach Siofok fahren. Als ich um die Ecke zum Freistrand fuhr, merkte ich schon, dass ich die Kurve nicht bekam. Aber was soll's, dachte ich, du hast doch ein Mountainbike, fährst du halt die Befestigung runter.
      Die Idee war nicht schlecht, nur hatte ich nicht bedacht, dass man am Rande mit dem Pedal hängen bleiben konnte. Und schwupp, im hohen Bogen flog ich im See rein. Ich war ein bisschen benommen und hatte im Moment keinen Orientierungssinn. Da kamen 4 junge Mädchen mit so einem Viererfahrrad, die man dort überall sieht, sprangen runter, und holten mich aus dem See.
      Ehe ich aber so richtig wieder klar denken konnte, waren die auch wieder weg. Ich habe mich später geärgert, das ich die Mädels nicht zu einen Eis eingeladen habe. Meine Frau behauptet ja heute noch, das ich nur in den See gefahren bin, damit die Mädchen mich rausholen konnten.
      Aber wie heißt es so schön: Betrunkene haben einen guten Schutzengel. Am anderen Tag habe ich mir die Stelle angesehen. Das hätte sehr Böse ausgehen können. Dort hat man ja überall zur Befestigung des Ufers so große Steine hingelegt. Wenn ich da mit dem Kopf drauf gefallen wäre.
      So hatte ich nur ein Portemoney mit nassen Scheinen. Aber was soll's, Geldscheine kann man wieder trocken.
      Allerdings werden dann oft die besten Freunde schnell zu Räubern.


      Nichts bewegt sich wie ein Citroën

      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Der Balaton für Sportler

      Der Balaton für Sportler

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      Als ich das erste Mal am Balaton war durfte man noch mit Motorbooten fahren. Das war für die Nicht-Bootbesitzer sehr unangenehm. Wenn man aus dem Wasser kam, roch man nach Benzin, überall sah man Öl auf dem Wasser, das in Regenbogenfarben schillerte. Diese Zeit wünsche ich mir eigentlich nicht zurück.
      Aber dann kam die Zeit, wo die Surfbretter aufkamen. Mein Sohn hatte sich hin und wieder ein Surfbrett geliehen, und es sah einfacher aus, als es war. Natürlich musste ich, der alte Jeck, das auch mal probieren, wie das denn so geht. Nach drei bis vier Parlinkas ging es denn los aufs Brett. Der Balaton ist zum Lernen sehr gut geeignet, da er nicht tief ist. Man kann also sehr gut aufs Surfbrett steigen. Wer mal versucht hat, in tiefen Wasser sich aufs Brett hoch zu ziehen, der weiß wovon ich rede.
      Na ja, also aufs Brett, das Segel im Wind. Ging eigentlich sehr gut. So schwer war es also nicht wie die meisten sagten. Klar zog das Segel ganz schön an den Armen, aber warum hatte man denn Muskeln?
      Plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund, es war Tamás der Surflehrer: Willi, wenn du das Schwert einklappst, dann nimmst du auch Fahrt auf, im Moment steckt das Schwert im Boden. Natürlich brach alles in Gelächter aus. Ich hatte wieder mal ungewollt dazu beigetragen, dass die anderen etwas zum Lachen hatten.
      Warum ich immer? Nie mehr habe ich versucht auf ein Brett zu steigen. Aber mein Sohn hat es sehr gut gelernt. Er ist ein exzellenter Surfer geworden. Und so teilen wir uns wieder die Aufgaben: Ich transportiere das Surfbrett, und mein Sohn fährt damit


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      viele Grüße
      vom Willipitschen
    • Drachenfliegen

      Drachenfliegen

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      Wie ist das doch oft, wenn man nicht gut drauf ist, und man denkt, jetzt legst du dich für eine Stunde hin, dann kommt so ein Krawallmacher und es ist mit der Ruhe vorbei. Muß der denn unbedingt in der Mittagszeit seinen Rasen mähen? Mal sehen wo der steckt. Doch was ist das? Da fliegt doch einer mit einen Segel und einen Rasenmähermotor durch die Luft, direkt über unseren Campingplatz. Mal sofort zu meinen Freund gehen. Lothar, hast du schon mal so ein Ding gesehen? Na klar, sagt der, das ist ein Motordrachen, da kann man mitfliegen, mein Schwager ist schon damit geflogen, die starten vom Automozi [Autokino].
      Du, das gehen wir uns aber mal ansehen. Wir also ins Auto rein, und ab zum Autokino. Nach den Preis gefragt, kostete so was um die 50DM eine halbe Stunde. Der flog dann bis über Tihany. Meine Frau gefragt, ob sie mitfliegt. Sie, noch nie ist sie auf ein Karussell gefahren, und jetzt mit so ein Drachen? Nein, nicht für 1000DM. Doch wie das so ist, 3 vom Campingplatz waren schon geflogen, und alle runtergekommen. Noch ein bisschen Charme von mir dabei, nach 2 Stunden gab sie ihre Einwilligung, ohne 1000 DM versteht sich.

      [IMG:http://up.picr.de/3627059.jpg]

      Was soll ich sagen: Ich flog zuerst, und es war traumhaft schön. Ich war schon mit so ziemlich allen geflogen, aber das übertraf fast alles. Man saß so wie in einen Campingstuhl, und die Natur zog so unter einen hinweg. Man sah Dinge, die man sonst nicht sieht, so z.B. das auf Tihany noch ein grosser See ist.
      Als ich dann auf dem Rückflug über den Campingplatz kam und auf meinen Wohnwagen zeigte, drehte der Pilot 3 Runden dort. Später zurück, sagte mein österreichischer Freund: Die mit den Dingern sind bekloppt. Jetzt drehen die schon Runden hier.
      Und ganz stolz war ich darauf, dass meine Frau auch geflogen war. Denn sie, die vor Angst noch nicht mal mit einen Karussell fuhr, hatte ihre Angst überwunden


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      vom Willipitschen
    • Ballonfahren

      Ballonfahren

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      War schon das Drachenfliegen eine schöne Sache, so gibt es eine noch viel schönere, und zwar das Heissluftballonfahren.
      Wir sind also nach Siofok-Kiliti gefahren auf den Flugplatz und haben uns dort angemeldet. Man sollte ganz früh dorthin fahren, oder abends. Denn nur dann gefahren wird, weil der Temperaturunterschied groß sein muss. Noch etwas: Man sollte sich am Anfang vom Urlaub darum kümmern, denn es kann sein, dass man ein paar Mal hin muss. Denn wenn ein Gewitter in der Luft liegt oder bei starken Wind darf nicht gefahren werden. Und bei Regen will auch keiner fahren. Wir sind beim 3. Termin gefahren. Der Preis war direkt ein Sonderangebot, war noch in DM Zeit und kostete 120 DM. Zum Vergleich, in Aachen zu der Zeit 450 DM.
      Der Kapitän, Várgá Joszef, ist zwar ein kleiner Mann, so ca. 170 cm, aber so ein direkter Frauentyp. Blitzende Augen und der Schalk stand ihm so richtig im Gesicht geschrieben. Vor allen Leuten schnappte er sich seine sehr junge Dolmetscherin, und tat so, als wollte er ihr in den Hintern beißen. Er war bekleidet mit einen Tarnanzug, und man hätte ihn in einen Kriegfilm stecken können, da hätte er gut reingepasst. Also immer schön auf eure Frauen aufpassen.
      Ich berichte jetzt von meiner 2. Fahrt, denn das war die schönere. Anwesend war also meine Frau, mein Sohn und dessen Freundin, sowie ich.
      Der Ballon wird vom Anhänger genommen und ausgerollt. Dann nimmt er einen Ventilator mit Benzinmotor, 2 Leute halten die Öffnung auf und mit dem Ventilator wird in den Ballon reingeblasen. Der Korb wird vor dem Ballon gelegt, und der Kapitän schließt eine Gasflasche an den Brenner an. Dann wird gezündet, und die Luft wird erwärmt.
      Nach kurzer Zeit hebt sich der Ballon, und stellt auch den Korb auf. Jetzt heißt es einsteigen. Der Ballon wird noch geheizt, bis er fast schwebt. Dann wird der Schlauch von der Gasflasche getrennt, und an den inneren 4 Gasflaschen angeschlossen.
      Ganz langsam fängt der Ballon an zu schweben, und steigt dann immer schneller. Bis auf 1100m sind wir gestiegen. Man schwebt über die Landschaft. Man sieht viel Wild, und wie viel Wald dort steht. Das habe ich vorher nie mitbekommen. Man hat eine wunderbare Rundsicht, auf der einen Seite der Balaton mit Tihany und Kirche, auf der anderen Seite bunte Felder, Wiesen, Wald und Dörfer. Wenn man über Dörfer fliegt, und der Kapitän zündet den Brenner, das macht ja Geräusch (Mütze mitnehmen, sehr heiß) dann bellen in dem Dorf alle Hunde. Die Fahrt war sehr schön aber was wäre das Leben ohne Probleme, es kam Wind auf. Der Kapitän setzte zur Landung an.
      Seine Stimme war beruhigend. Vorsicht Landung ... Vorsicht festhalten ... Landung ... Kamera festhalten.
      Der Ballon setzte auf, es ruckte sehr stark und wie in Zeitlupe fiel nach ein paar Mal aufsetzen der Korb um. Wir lagen also alle 5 im Korb. Meine Frau unten. Und der Ballon zog uns so 200m über den Boden. Da war Gras gemäht, und in so große Rollen gepackt. Davon haben wir 3 Stück zur Seite geschoben. Aber alles war gut gegangen, meine Frau hatte nur den Verbandskasten zertrümmert.
      Dann geht es weiter. Der Ballon wird zusammengelegt, wobei alle mithelfen sollen. Dann in so einen Sack gelegt, ist so ca. ein Kubikmeter groß. Die das erste mal geflogen sind, müssen sich über den Ballon legen und die schon einen Ballonfahrernamen haben, dürfen dann so richtig hinten drauf hauen.
      Dann kommt der Ballon auf den Anhänger. Das Zugfahrzeug ist so ein russischer Bus mit Allrad, und dann geht es zum Haus vom Kapitän. Man bekommt Frühstück und dann kommt die Taufe. Man muss niederknien. Der Kapitän liest vor von den Gebrüder Montgolfiers, man bekommt Erde aufs Haupt gelegt, mit einen Feuerzeug ein paar Haare abgesengt, und natürlich Sekt aufs Haupt geschüttet. Dann bekommt man eine Urkunde ausgehändigt, mit seinen Ballonfahrername drauf, meiner ist Kiliti-Buszaföld-Essy.
      Mein Sohn hat so einen richtigen Zungenbrecher bekommen, heißt auf deutsch in etwa: zwischen grossen Traktoren gelandet.
      Mein Sohn hat noch einen Zusatz, bei großen Wind gelandet.
      Den Namen sollte man gut behalten, denn wenn man in irgendeinem Land, egal wo, nocheinmal Ballon fahren will, dann wird man gefragt: Ist das ihr Erstflug? Sagt man nein, kommt die Frage: Wie ist denn ihr Name? Weiß man den nicht, darf man sofort eine Runde Sekt ausgeben, das Getränk der Ballonfahrer


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      vom Willipitschen
    • Tandemsprung

      Tandemsprung

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      Ach da gibt es noch was Schönes, das heißt Tandemfliegen.
      Also, auch hier geht es nicht ohne Termin. Wir sind also Freitags zum Flugplatz Siofok-Kiliti gefahren und haben uns über den Tandemsprung informiert. Mein Sohn, seine Freundin, mein Neffe und ich haben uns für einen Sprung angemeldet. Meiner Frau habe ich es freigestellt, aber sie wollte nicht. Es waren Jungs aus Cottbus. Die hatten eine 35 Personenmaschine Iljuschin. Sie haben uns dann auch noch gesagt, dass sie eine Helmkamera hätten und uns ein Video vom Flug machen könnten. Damit waren wir natürlich einverstanden. Aus rechtlichen Gründen flogen die Jungs aber für einen Ungarn mit dem wir auch einen Vertrag hatten.
      Am Montag sollte es dann losgehen. Von dem Tag an habe ich nicht mehr ruhig geschlafen. Ich, der sehr wenig träumt, hatte immer Träume von Kirchen, die man von oben sah. So klein wie Streichholzdosen. Als Kind, wenn irgendwo ein Gerüst stand, dann kletterte ich hoch, setzte mich in die Dachrinne, und liess die Beine runterbaumeln. Ich hatte dann so ein komisches Kribbeln im Bauch, und dieses Gefühl hatten ich im Traum auch.
      Als wir Montags nach Kiliti kamen, war die Maschine weg. Oh, war das toll. Der Ungar bot uns eine andere Maschine an, doch versuchte ich, immer einen Nachteil zu finden damit wir nicht hoch mussten. Ich führte an, wir hätten ein Video bekommen, was jetzt nicht der Fall wäre. Der Ungar sagte: Wir hätten doch 2 Kameras, wir könnten doch einen von uns mit hochschicken, der könnte von oben aufnehmen, der andere von unten. Der Mensch war so zuvorkommend, jeden Nachteil hat er entkräftet.
      Na ja, es blieb mir also nichts anderes übrig. Mein Neffe und ich waren also das erste Paar, das springen sollte. Es war ein altes Flugzeug. Die Sitze und eine Seitentür waren ausgebaut, sodass hinten 2 Tandemspringer sitzen konnten. Nach einer kurzen Einleitung wie wir uns verhalten sollten ging es also los. Man merkte, dass das Flugzeug Schwierigkeiten hatte hoch zu kommen. Der Flugzeugführer kurvte auch immer zur offenen Tür hin, was wieder das Kribbeln verursachte.
      Dann, plötzlich, sagte jemand: noch 100m. Von da an habe ich mir nur noch Vorwürfe gemacht, was bin ich doch bekloppt, habe ich das nötig, werde jetzt 60 Jahre muss ich mir das noch beweisen? Wenn zu diesen Zeitpunkt jemand gesagt hätte, sollen wir mit den Flugzeug landen ohne zu springen, dann hätte ich gesagt, ja mach das. Das hat aber keiner gesagt, statt dessen hieß es jetzt: raus. Die Bilder, die ich schon im Traum gesehen hatte, waren Wirklichkeit geworden. Kiliti lag so klein da. Also, dann eben los. Wir schwenkten zur Seite, der Springer schob uns immer weiter raus, und plötzlich waren wir unterwegs. Es verschlug mir fast den Atem. Nach ein paar Sekunden lagen wir stabil in der Luft und rasten auf die Erde zu. Mein Gott, war das ein herrliches Gefühl. Ich bin heute noch nicht in der Lage, das zu beschreiben. Man sah auch schon Einzelheiten: da war also der Wohnwagen, wo meine Leute waren und warteten. Ich habe überhaupt kein Zeitgefühl mehr, wie lange wir im freien Fall waren. War es eine halbe Minute oder mehr?. Die schönen Zeiten gehen immer sehr schnell vorbei. In diesem herrlichen Gefühl knallt es plötzlich fürchterlich, als wenn einer neben meinem Ohr eine Pistole abgeschossen hätte. Der Fallschirm hat sich geöffnet. Die Gurte reißen furchtbar an den Beinen. Man hat das Gefühl, man wird hoch gerissen. Und dann kommt die Phase, in der manganz leicht zum Boden schwebt. Beim Aufsetzen ruft einer Hoppla und alle klatschen. Man ist froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.
      Es war wunderschön, aber würde ich es noch mal machen? Ich glaube nicht. Noch mal soviel Angst ausstehen? Einmal im Leben reicht mir.
      Am meisten Angst hatte ich, dass ich oben meine Angst nicht hätte überwinden können und gesagt hätte, dass ich nicht springe. Diese Option hatte ich ja, Aber so ist alles gut gegangen.
      Wenn man sich das Bild ansieht: So habe ich noch nicht ausgesehen als ich krank war. Man sieht die Angst, die ich dort hatte


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      vom Willipitschen
    • Der Trabbifahrer

      Der Trabbifahrer

      Mein Sohn wollte sich sein Auto in Ungarn neu spritzen lassen. Wir wollten uns dafür ein Auto bei einer Leasingfirma ausleihen. Da sagt meine Freundin Ildiko, du kannst doch meinen Trabbi haben, ist kein Problem. OK, ich habe den Trabbi genommen. Eine ganze Woche hatten wir das Fahrzeug. Und immer wenn wir irgendwo hin mussten, haben wir uns den Trabbi genommen.
      Wenn ich das Auto parkte, gab es freundliche Ungarn, die dann sagten: Hello Lampa. Immer wieder vergass ich, das Licht auszumachen. Das "Tit Tit Tit" was mein Auto machte fehlte mir.
      Nun war das auch nicht so das große Problem. Das Auto schob sich ja sehr gut an und wenn ich dann im Auto saß und meine Frau schob, dann gab es immer eine ungarische Hand, die mitschob.
      Aber schlimm waren die mitleidigen Blicke der Touristen aller Couleur. Bisher habe ich das überhaupt nicht so mit bekommen. Man merkt das wirklich erst dann, wenn man selbst betroffen ist. Na ja, mein rheinischer Humor verträgt einiges.
      Ich weiß heute noch die Nummer CTS ***, die vergesse ich nicht weil CTS mal für Conti Tyre System stand.
      Wenn an der Ampel ein großer Wagen stand, dann fuhr ich so schnell an wie es ging. Oft habe ich gewonnen. Hinterher habe ich oft gedacht: warum machst du das, das tust du doch sonst nicht.
      Aber dann kam ein Erlebnis, was ich nie vergessen werde: Ich fuhr nach Siofok raus, und am Ende musste ich dann auf die Hauptstrasse. Glaubt ihr da hätte mich einer reingelassen? Es war viel Verkehr dort, und die fuhren mir einfach immer die Kreuzung zu. Da sagt meine Frau: Da kommen 2 Aachener. Ich die Hand raus, den kleinen Finger abgespreizt, und schon hupten sie und winkten ich solle reinfahren. Und freundliches Winken begleitete mein Reinfahren. Ich denke mal, in Aachen haben die erzählt: Da war ein Ungar, der kannte unseren Gruß.

      [IMG:http://up.picr.de/3627115.jpg]

      Dazu muß ich erklären: Der Aachener Gruß ist das Abspreizen des kleinen Fingers der ausgestreckten Hand. Das ist noch aus der Zeit, als es in Aachen sehr viele Nadelfabriken gab. Die Frauen sortierten die Nadeln mit dem abgespreizten Finger.
      Wir haben in Aachen davon ein Denkmal. Versucht es mal, wenn ihr ein Auto seht mit AC: spreizt den Finger. Kommt keine Antwort, ist es ein Zugereister.
      Ach für Nicht- Aachener: Der kleine Finger heißt bei uns Klenkes


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      vom Willipitschen
    • Der Budapester Zoo

      Ein Besuch im Budapester Zoo

      Im Frühjahr 2002 war in der Budapester Zeitung ein Preisausschreiben. Zuerst wollte ich nicht teilnehmen, da ich noch nie etwas gewonnen habe. Na ja, was soll es, man muss ja nichts einzahlen, probier es mal. Als dann die Gewinnliste veröffentlich wurde, habe ich mit Freude festgestellt, dass ich eine Familienkarte für den Budapester Zoo gewonnen hatte. Als ich die Gewinnerliste durchging war auch noch ein Herr Pencz eingetragen.
      Aha, noch jemand aus den Forum. Sofort habe ich dem PAnton gratuliert über Intra, aber er schrieb mir dann, es wäre ein anderer Pencz, er nicht.
      Gewinne sollte man einlösen, und so sind wir dann im Jahre 2002 nach Budapest gefahren.
      Wie immer haben wir unser Auto am Südbahnhof auf der Allee abgestellt. Nah am Bordstein fahren, die Räder stark einschlagen, Lenkrad einrasten, Stecker von dem Dieselabschaltventil ziehen, soviel Zeit muss sein. Dann mit der U-Bahn weiterfahren.
      In den 80er Jahren war ich schon mal im Veszpremer Zoo, und war damals entsetzt über die Tierhaltung, und so ging ich dann mit meiner Frau und einen komischen Gefühl im Budapester Zoo rein.
      Was mir sofort gefallen hat war die Gartenanlage. Es gibt einen Teil, der ist wie ein japanischer Garten angelegt. Dort gibt es Bonsaibäume und natürlich auch mannshohe Bäume, die so geschnitten sind, wie man es nicht kennt.
      Ich bin schon in vielen Zoos gewesen und jeder Zoo hat immer etwas, was im aus der Reihe der Zoos heraushebt. In den 80er Jahren, im Veszpremer Zoo, war ich zwar von der Tierhaltung entsetzt, aber auch die hatten etwas, was sie hervorhob. Das waren damals Dingos.
      Der Budapester Zoo hat etwas, was ich bis dato noch nie gesehen hatte: Ein Schmetterlinghaus. Man ging durch eine Schleuse rein und innen flatterten hunderte Schmetterlinge, in allen Größen und Farben. Es war einfach traumhaft schön. Ich kenne nichts von Schmetterlingen, aber das macht nichts. Man kann sich an den Farben und Formen erfreuen.
      Dann gibt es ein grosses Aquarium, mit Fischen drin, die man nicht kennt. Zum Beispiel Störe. Die habe ich zwar schon mal auf einem Bild gesehen, aber noch nie in echt.
      Ein Terrarium mit Schlangen, Vogelspinnen und Waranen, von klein bis gross. Natürlich sind die meisten Tiere nicht so attraktiv, Schlangen bewegen sich fast nicht, man könnte auch ein Plastikschlange reinlegen, würde nicht auffallen. Auch die Warane bewegen sich kaum. 6-8 cm lange Heuschrecken die bewegen sich, sie sind das Futter für die Kleinwarane.
      Natürlich gut besucht ist immer der Affenfelsen. Da kann man sich nur schlecht von wegreissen. Es gibt immer was zu sehen, und sie sind uns Menschen so ähnlich.
      Etwas weiter kommt ein Tropenhaus. Dort gab es auch sehr viele exotische Tiere vom Alligator bis zur Eidechse. Man hatte Schwierigkeiten, die Tiere zu finden, da die sich verstecken. So nebenbei habe ich dann aber auch festgestellt, das ich nicht tropentauglich bin.
      Dann kamen Tiere, die man eigentlich überall sieht. Anschliessend aber dann etwas, was eben auch nicht alltäglich ist: das Elefantenhaus. Es war im Stil einer Moschee gebaut, mit Kuppeldach, und es gibt sogar ein Minarett. Alles ist in Blau gehalten, und sieht sehr gut aus. Ich war schon so richtig platt, aber meine Frau ist hochgestiegen. Als sie dann runterkam, hat sie gesagt: Da musst du rauf, man hat eine wunderschöne Aussicht über Budapest und kann direkt ins Szechenybad reinschauen. Ich also hoch, immer im Kreis, meine Frau noch mal mit. Wer hat eigentlich den Unsinn aufgebracht, Frauen sind das schwache Geschlecht? Es ist wirklich lohnenswert.
      Ich meine es war ein schöner Gewinn, aber es lohnt sich auch, rein zu gehen, wenn man bezahlen muss.

      Vom Minarett des Elefantenhauses hat man einen schönen Ausblick auf das Szechenybad


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      vom Willipitschen
    • Telefonieren

      Vom Telefon in den Weinkeller

      Mein Sohn wollte am Balaton telefonieren. In 1987 war das in Ungarn garnicht so einfach. Vor den Telefonzellen standen Schlangen und Handys gab es noch keine. Eine gute Möglichkeit war eben, in den Hotels zu telefonieren. Mein Sohn ging also zum Hotel. Nach einiger Zeit kam er zurück, und sagte, das ist die Judit. Es stellte sich dann raus, dass sie studierte und Lehrerin werden wollte. Sie hatte auch Urlaub und hat dann in dem Hotel nebenbei gearbeitet, was also damals so üblich war. Hin und wieder kam sie eben mit auf den Campingplatz und abends gingen die jungen Leute in der Gruppe zur Disco.
      Es entwickelte sich so eine schöne Urlaubsfreundschaft.

      [IMG:http://up.picr.de/3627138.jpg]

      Es entwickelte sich so eine schöne Urlaubsfreundschaft.
      Das heißt, die Judit lud uns nach Kaposvar zu ihren Eltern ein. Der Vater ist im Nebenberuf Imker, und macht denn auch so nebenbei noch Wein im Garten. Er hat einen sehr großen Garten, mit einen Steinhaus und Weinkeller.
      Wir mussten also mit in den Weinkeller. Vorher wurde ausgelost wer zurück fahren muss. Mein Sohn hatte das kurze Streichholz gezogen. Im Keller wurde Rotwein gereicht, einen blauen Portogießer.
      Diese Urlaubsfreundschaft ist bis heute noch erhalten. Das es letztendlich nur bei Freundschaft blieb, war ganz einfach: Judit wollte nicht nach Deutschland, da sie noch im Studium war, und mein Sohn sah in Ungarn keine Möglichkeit, sein Geld zu verdienen.
      Wir sind heute immer noch befreundet. Judit ist verheiratet, hat eine kleine Tochter und wohnt jetzt in einen anderen Ort, wo sie als Deutschlehrerin arbeitet


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    • Sendeschluss

      Sendeschluss

      In einen österreichischen Campingforum hat jemand gefragt, welchen Fernseher wir benutzen. Da fiel mir ein, wie schön es war, als es noch keine Parabolantennen gab. Also habe ich diese Geschichte geschrieben. Ich will sie euch aber auch nicht vor enthalten:

      Hallo Ihr Fernsehgucker
      Jetzt weis ich auch, warum abends ab 20 Uhr Totenstille auf den Campingplätzen ist. Ach war das eine schöne Zeit, wo man abends schon mal auf den Platz zusammen saß, und etwas trank, Lieder sang und so.

      [IMG:http://up.picr.de/3627149.jpg]

      Ich weiß noch, es war vor langer Zeit in Ungarn, die Vorparabolspiegelzeit. Etwas neben uns auf dem Campingplatz in Ungarn stand ein Ungar. Wir nannten ihm der Lurzi.
      Eines Tag kommt eine Freundin von uns und sagt: Ihr müsst mal heute Nachmittag den Lurzi beobachten. Ich sage. Warum? Och, sagt sie, wirst schon selber drauf kommen. Macht der jeden Tag.
      Es war glühend heiß. Unser Lurzi kam, setzte draußen seinen Sohn ins Gras. Er war so 5 Jahre alt. Lurzi ging ins Zelt, zog den Reißverschluss so halb zu, und dann ging es los, Elternsprechtag war angesagt.
      Der Sohn lauerte an der Zelttüre rein. Plötzlich kam Lurzi raus, verhaute dem Sohn den Hosenboden, und dann wieder rein.
      Abends, es war so nach 23 Uhr, haben wir draußen noch gesessen, Wein getrunken Lieder gesungen. Mit Sicherheit waren wir etwas zu laut. Plötzlich beim Lurzi, der Reißverschluss, *rrrrrrrrrrritsch*, der Kopf schaute oben raus, und er hat etwas geknurrt, was wir zwar nicht verstanden haben, aber wir wussten schon, wir sollten leiser sein.
      Das waren wir auch. Aber nach einiger Zeit war der Lärmpegel wieder zu hoch. Jetzt ging der Reißverschluss ganz auf, Lurzi kam wütend raus, was wir verstanden. Televisi, sagte er zu seiner Frau. Er stellte so ein Koffergerät auf den Dachträger vom Auto, und wollte jetzt uns Krach machen. Wir schauten interessiert zu.
      Plötzlich wurde er ganz wütend, und schimpfte. Wir schauten uns an. Was ist denn jetzt los? Bis wir dahinter kamen: Das ungarische Fernsehprogramm war beendet. Einer sagte das denn auch, da brach bei uns alles in schallendes Gelächter aus.
      Zu der Zeit damals haben wir oft von der Wachmannschaft eine Ermahnung bekommen. Meisten aber haben wir die Nachbarn eingeladen, sodass wir keine Probleme hatten


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    • Der schnelle Wohnwagen

      Der schnelle Wohnwagen

      Ich kam aus Ungarn. Ich fuhr damals noch den Knaus 610 Doppelachser, und auf der Autobahn von Nürnberg nach Hockenheim fuhr ein Trabbi vor mir. Der stank, und haute hinten eine starke Ölfahne raus. Es gibt dann nur 2 Möglichkeiten, entweder man fährt langsamer, oder man fährt schneller. Ich entschied mich für das schneller fahren. Als ich so neben den Trabbi war, sagte ich zu meiner Frau: Schau mal, was da für ein schönes Auto fährt. Das war natürlich ein Polizeiauto. Ich wurde ganz brav, fuhr immer langsamer. Aber eigenartigerweise das Polizeiauto auch. Der Trabbi überholte das Polizeiauto und plötzlich ging eine Lichtleiste auf: Bitte folgen, Bitte folgen blinkte es immer in den Auto. Siehste, ging es dann los, meine Frau fing dann an, immer fährst du zu schnell. Das hast du nun davon. Ich legte mir schon zurecht, was ich sagen wollte: Meine Herren, um eine objektive Messung zu erreichen müssen Sie 500 m hinter mir herfahren. Ohne den Abstand zu verändern. Erst dann können sie beweisen, dass ich zu schnell gefahren bin.
      Wir wurden also auf eine Raststätte geführt. Der Polizist stieg aus. Ich hatte schon die Antwort auf der Zunge, da sagt der, ich wolle mal meinen Wohnwagen überprüfen, ob der nicht überladen sei.
      Wow, jetzt stand ich aber blöde da.
      Was wollte ich machen, na ja lass sie mal.
      Die beiden Polizisten nahmen 2 kleine Waagen aus dem Kofferraum.Rechts und links eine und ich musste immer auf die Waagen fahren. Nachdem sie das 4 X gemacht hatten waren alle Achsen gewogen. Dann fing er noch an zu rechnen und kam das Ergebnis: Auto ist ok, Wohnwagen 200 Kg zu viel. Das kostet 100 DM und ich weiß nicht mehr wie viele Punkte.
      Mein Sohn war mit einem Freund im eigenen Auto hinterher gefahren. Ich habe mir die Waagen angeschaut. Da war bis 500Kg ein roter Bereich. Der Polizist hatte links pro Achse 470Kg gewogen rechts 480Kg. Abzüglich Toleranz kamen dann die 200Kg raus. Ich habe mir die Waagen angeschaut, da stand Wiegebereich von 500Kg bis 10to.
      Den Freund von meinen Sohn habe ich dann gerufen. Du Walter, lies mal auf der Waage. Folgendes musst du dir merken: Wiegebereich von 500Kg bis 10to. Die Herren hätten meinen Wohnwagen nicht wiegen dürfen, da unter 500Kg. Da sagt der Polizist wir können auch noch auf 20 DM runtergehen.
      Was, sage ich, wusste nicht das man mit Ihnen handeln kann. Aber lassen Sie mal ich zahle überhaupt nichts. Ich gehe mal davon aus, Sie fahren jetzt auf die Dienststelle. Da wird doch wohl einer sein, der davon Ahnung hat.
      Heute mit den Einachser wäre ich dran, dann wären die Waagen in Ordnung.
      Nach 14 Tagen bekam ich von der Dienststelle Bescheid, ganz lapidar: Das Verfahren gegen Sie wurde eingestellt


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    • Budapest


      Alle Wehmut nützt nichts. Wir müssen also jetzt unser *Urlaubsleben* alleine leben. Und so kommt es, dass wir mal was unternehmen können, was uns sonst immer verwehrt war.
      Wollten wir mal eine Woche nach Budapest, dann war es so, dass mein Sohn sagte: Mensch, es ist doch so schönes Surfwetter. Können wir das nicht auf nächstes Jahr verschieben? Und so haben wir verschoben verschoben verschoben.

      [IMG:http://up.picr.de/3627182.jpg]

      Aber jetzt war es so weit. Wir waren allein und konnten dann eine Woche nach Budapest fahren. Wir sind auf den Campingplatz Romai gefahren. Der liegt hinter Budapest, in Richtung Szentendre. Direkt bei den römischen Ausgrabungen. Bis zum Donauufer sind es ca. 500m.
      Wir haben uns eine Wochenkarte für die Budapester Verkehrsbetriebe gekauft. Die war ziemlich preiswert und es war auch schön mal ohne Auto unterwegs zu sein.
      Am Budapart kann man auch schön mit dem Fahrrad an der Donau fahren. Es gibt Radwege auf denen man bis Szentendre fahren kann. Wir sind dann auch nach Szentendre gefahren, waren im Kavéhaz Nosztalgie Kavé trinken.

      [IMG:http://up.picr.de/3627206.jpg]

      Und dann fängt es doch an zu regnen. Och, sage ich, ist nicht schlimm. Dann fahren wir mit der HÉV (so was wie eine S-Bahn) nach Hause. Die Wochenkarte gilt zwar auch auf dieser Bahn, aber nur bis zur Stadtgrenze. Wir haben früher schon mal im Zug nachbezahlt. Das wollte ich jetzt auch machen. Aber der Schaffner erklärte mir, das ginge nicht mehr. Ich müsste am Bahnhof nachzahlen, so kostet das 3000Ft Strafe. Ich habe dann gesagt, dies hätte ich nicht gewusst, ich würde also aussteigen und nachzahlen.
      Als wir rauskamen hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten uns wieder auf die Räder setzen.
      Am Budapart waren so kleine Restaurants, da konnte man sehr gut essen. Die Wochenkarte haben wir weidlich ausgenutzt.
      Meine Frau kam dann auf die Idee, wir könnten ja auch eine Nachtfahrt auf der Donau machen. Wir also runter nach Pest zum Pier 7. Dort war eine junge Dame. Sie sagte, wenn sie heute fahren, dann haben wir eine Überraschung für Sie. Und was wäre das? Ach das sage ich Ihnen nicht sonst ist es doch keine Überraschung. Ich habe alles versucht, um das Geheimnis der jungen Dame zu entlocken. Aber sie blieb eisern. Gut, wir haben uns 2 Karten gekauft und sind dann abends zum Pier 7 gefahren

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      Viele Leute waren dort. Aber alle sprachen Englisch. Kein einziger sagte ein Wort in einer anderen Sprache. Eine junge Dame vom Schiff habe ich gefragt: Bin ich hier richtig? Nein, sagt sie, Sie müssen auf das andere Schiff. Dies hier ist eine geschlossene, amerikanische Gesellschaft.
      Auf unseren Schiff wurde Sekt ausgeschenkt, und als ich sagte, das ist wohl die Überraschung, hieß es: Nein, die kommt noch. Um es kurz zu machen: Die Überraschung war ein Feuerwerk, von einem Schiff in der Donau abgeschossen.
      Es war ein traumhaft schönes Erlebnis. Mit dem Schiff zu fahren, beleuchtete Kettenbrücke, Parlament. Aber am besten hat mir das beleuchtete Hotel Gellert gefallen. Leider war die Woche Budapest viel zu schnell vorbei.
      Am Donauknie entlang ging dann unsere Heimfahrt durch eine wunderschöne Landschaft nach Hause


      Nichts bewegt sich wie ein Citroën

      viele Grüße
      vom Willipitschen