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Frankreich liegt in diesem Jahr an der Nordsee

    • Frankreich liegt in diesem Jahr an der Nordsee

      Zu Pfingsten werde ich aus der Rehaklinik entlassen und die Normalität des Alltags soll allmählich wieder Einzug halten. Ein Teil besagter Normalität steht im Kalender: Wir haben ab Mitte Juni Urlaub eingeplant, die Zeit reicht sogar für eine lange Tour mit einem Abstecher zu unseren Freunden im Languedoc. Alle Gedanken an einen Urlaub waren in den letzten Wochen beiseite geschoben worden, bis jetzt. Was spricht eigentlich dagegen, dass wir losziehen? Sicher, es gibt da einiges zu beachten. Südfrankreich ist allein schon zu weit, wenn man stündlich Pause machen muss, um sich zu bewegen. Zum Glück besteht die Urlaubswelt nicht nur aus weit entfernten Zielen. Nachdem ich auch noch brav verspreche, nicht in einen Flieger zu steigen, geben mir die Dottores grünes Licht: Ab in den Urlaub …

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      Glücklicherweise steht der Wohnwagen fast reisefertig im Wagenschauer, der Rest wird noch eingepackt. Die Kinder bekommen kurz eine Gruppennachricht per What’s App: Wir sind ab übermorgen früh weg. Melden uns von unterwegs. Damit ist dann automatisch geregelt, dass nach Oma, Opa, Haus und Hof gesehen wird und wir beruhigt starten können.


      Es geht los.

      Das Frühstück am Abreisetag mag ich zu gern. Dann ist alles fertig, der ganze Urlaub liegt vor uns und wenn dann wie heute die Sonne scheint, geht es mir richtig gut. Kaffeebecher in der Hand und genießen. Auf dem zweiten Platz am Frühstückstisch herrscht mehr Unruhe. Die Applewatch kommt heute raus. Man kann sie online reservieren. Nicht dass dieses Teil bei uns jemals eine ernsthafte Diskussion hätte auslösen können - nein, es ging vielmehr um das passende Armband. Nach ein wenig Herumgenestele am iPhone werde ich aus meinen Vorfreudeträumen gerissen: „Komm, wir fahren noch mal eben nach Hamburg.“ Und dann klappt es mit der Watch doch nicht; es gibt nur noch die, für die unser Geldkoffer dann doch nicht gönnet werden soll.
      Unterwegs klären wir, welches Etappenziel wir heute anpeilen wollen, denn es steht bisher nur die grobe Richtung fest: Nordsee/Holland. Von Skagen bis Den Helder: Der Teil der Nordseeküste ist uns nicht fremd. Jetzt könnte die Expedition weitergehen.
      Also noch kurz nach Hause und den Wohnwagen anhängen und los: Sittensen auf die A1, Dreieck Stuhr Richtung Oldenburg, kurze Überlegung, ob wir in Kirchhatten bleiben oder in Oldenburg, und nach einer Pause die Entscheidung: Leer/Bingum. Leer ist hübsch und der Campingplatz passt.
      hier
      Wir quartieren uns für ein paar Tage ein: Komfortplatz direkt am Emsdeich mit Strom, Frischwasser, Abwasser, TV-Anschluss, eigenem Sanitärhäuschen.

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      Vorzelt oder Sonnensegel sparen wir uns. Es weht viel zu sehr und es beginnt zu regnen. Aber heute nur während der Zeit, die wir benötigen, zum Restaurant Texas Riverranch zu spazieren. Die Speisekarte klingt ansprechend, doch heute brauchen wir nur eine Kleinigkeit. Wirklich nur eine Kleinigkeit! Und gerade mal keine dröhnende Musik. Zugegeben, es ist frisch, es ist nass und ich bin heute ein wenig jammerig. Wir verschieben den Besuch auf später und können bestätigen: die Sparerib-Flatrate hat schon ihren Reiz und ist lecker.

      Im Wagen genießen wir den ersten Urlaubsabend.

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      Auch in den nächsten Tagen sind Sonne, Wind und Schauer in unterschiedlichen Anteilen unsere Begleiter. Dennoch scheint nachmittags meist die Sonne, so dass wir die Zeit nutzen und vor unserem Wagen mit einem Buch vor der Nase die herrlich warmen Sonnenstrahlen genießen.

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      Ein niedriger Sommerdeich trennt unseren Stellplatz von der Ems und so wird es nicht langweilig.

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      Außerdem kommen auch noch andere „Mitcamper" auf die Idee, sich zu sonnen.

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      Leer selbst kennen wir. Es ist eine nette Stadt mit vielen mindestens ebenso netten kleinen oder größeren Läden, Restaurants, Kneipen, Cafés. Wir bummeln ausgiebig, beenden jedoch unseren Bummel ziemlich abrupt, denn es beginnt zu regnen. Es regnet nicht nur, es gießt, es regnet Bindfäden, raining cats and dogs.

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      Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.
      Kurt Tucholsky
    • Am nächsten Morgen eilen die Schauer von der See her über uns hinweg, unterbrochen von blauem Himmel mit strahlendem Sonnenschein. Der Wind hat sich gelegt. Von der Ems dringt das Tuckern der Schiffsdiesel zu uns herüber hier bringen die Flussschiffer ihre Fracht ins Binnenland oder zu den Dollarthäfen.
      Laut Wettervorhersage sollen die Schauer im Laufe des Tages von der Küste her abnehmen.
      Eine gute Gelegenheit, der Wetterbesserung entgegen zu fahren und eine alte Bekannte zu besuchen: „Greetje“.

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      Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.
      Kurt Tucholsky
    • Die Krummhörn als solche ist schon ein attraktives Reiseziel, doch wir mögen besonders Greetsiel. Der alte Ortskern mit seinem Siel,

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      der kleine Hafen

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      wirken nicht nur in Prospekten oder Fernsehberichten idyllisch, sie sind es wirklich.

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      Das macht einerseits den Reiz dieses Fischerortes aus, andererseits ist es sicherlich ein Reiz, der den Einwohnern zum Nachteil gereichen kann. Sogar als Touristen empfinden wir es als angenehm, dass keine ausgesprochene Urlaubszeit ist.
      Wir finden einen zentral gelegenen Parkplatz - gebührenpflichtig, doch was sind 3,00€ für 6 Stunden? Gewiss, Essen gehen, Tee trinken, bummeln, Andenken kaufen,

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      Mitbringsel für Familie und Freunde, eventuell eine Minikreuzfahrt mit Fischfang mitmachen - all das dauert und macht Greetsiel für Touristen attraktiv.
      Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.
      Kurt Tucholsky
    • Ein Hotspot für eine flotte WLAN-Verbindung ist für uns übrigens nicht weniger attraktiv.

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      Wir bekommen zur Mittagszeit auf Abhieb einen Tisch in einem zentral gelegenen Restaurant. Die Terrasse ist beheizt.

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      Die meisten Lokale sind zentral gelegen, nahe des Hafens.

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      Ein Spaziergang im Hafen

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      führt vorbei an den Kuttern. Sie dienen nicht der idyllischen Atmosphäre; hier verdienen Menschen ihren Lebensunterhalt; hier sorgen sich Menschen um ihre Existenz und beziehen Position "no pulse fishing“. Fast jeder Kutter zeigt Flagge, die Europaflagge mit durchgestrichenem Blitz.

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      Bald stehen wir auf dem Deich an der Skulptur der Fischgräte,

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      einige Minuten später sind wir ungestört und hören nur den Wind. Der lässt sich deutlich hören, Zurückhaltung ist nicht seine Sache. Nur vom Gekreische der Möwen wird er übertönt.

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      Vom Deich aus - an manchen Stellen ist er ein freundliches Bollwerk gegen das Wasser -

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      können wir in der Ferne die Zwillingsgswindmühlen erblicken. Die grüne Mühle hat gerade ihre Flügel wiederbekommen. Sie war im Oktober 2013 vom Sturm zerstört worden. Nun zeigen beide Mühlen die Freuden- oder Hochzeitsstellung.

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      Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.
      Kurt Tucholsky
    • Etwas später befinden wir uns wieder zwischen den andern Besuchern, die sich von Greetsiel, dem "grünen (gred=grün/neu) Land hinterm Siel" angezogen fühlen. Wir hören ihre Stimmen, treten zur Seite, um uns nicht in einer Hundeleine zu verheddern, laufen durch den Raum zwischen Fotoapparat und Motiv und lassen zu, dass auch bei unseren fotografischen Anstrengungen unbekannte Gesichter vor der Linse erscheinen. Also beenden wir unseren Ausflug, aber nicht, ohne uns mit einer Portion Granat eingedeckt zu haben. Schließlich muss es ja noch etwas Leckeres zum Abendbrot geben.

      Mittsommer-Zeit: Es ist Sonntagnachmittag, die Sonne scheint, wir sitzen draußen am Deich und lesen. Zwischendurch hören wir immer mal wieder von der Brücke das Signal, das den Passanten anzeigt, dass die Klappbrücke für ein Schiff geöffnet wird. Die Jann-Berghaus-Brücke ist eine der größten Klappbrücken Europas.

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      Heute passieren u.a. der für seine mehr als 100 Jahre immer noch rüstige Besan-Ewer "Friedrich" die Durchfahrt

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      sowie der fast ebenso betagte Dampfschlepper "Bertus Freede“.

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      Letzterer klappt dafür rechtzeitig den Schornstein hinunter. Für "Friedrich" wird die Brücke geöffnet. Man kann sie im Museumshafen in Leer besuchen.

      Am Abend ziehen ein paar kurze Gewitter über uns hinweg und kühlen die Luft auf 12°C ab. Viel wärmer wird es auch am Montag nicht.

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      Nur in der Sonne ist mal wieder sehr gut auszuhalten. Da sitzt man nach dem Frühstück vor dem Wohnwagen und lässt sich die Sonne aufs Fell scheinen, liest, beobachtet die Wolken und dreht sich zufällig mal um …

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      Dann wird aber zügig eingepackt, rein in den Wagen, Tür zu.
      Die nächste Detailplanung ist fällig. Morgen wollen wir weiterziehen. Wir suchen uns CP Rekreatiecentrum De Nollen in Callantsoog als Ziel aus.

      Die Kinder bekommen eine What’s-App-Nachricht und wissen somit auch Bescheid.

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      Unser Urlaub geht in Nordholland weiter. So wird es auch diesem Bericht ergehen.

      Bis demnächst in Noordholland,
      Dagmar

      Allerdings: alles braucht seine Zeit ;)
      Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.
      Kurt Tucholsky
    • Moin Dagmar,

      ach wie schön, ein Reisebericht von Dir bzw. Euch - das kann ja nur Gutes ergeben. Erstens, weil mich dieser Urlaub für Dich ganz besonders freut, dann kommt eine Weile nix und dann natürlich, weil ich Deine Berichte immer wieder einfach nur genießen kann. Lesen, Sehen, Abtauchen. Einmalig :anbet: Ich freue mich über den Anfang und auf viel mehr :thumbsup:

      Die Leerer Ecke ist mir durch Verwandtschaft nicht ganz unbekannt, allerdings ist Greetsiel an mir vorbeigegangen - zu Unrecht ganz offensichtlich. Der Platz sieht sehr gut aus auf Deinen Bildern, dass das Wetter da oben viel zu bieten hat, ist ja nichts Neues :evil: :undweg:

      So, jetzt halte ich mal die Füße still und warte auf die Fortsetzung...
      Viele Grüße :w
      Markus

      Liberté, Égalité, Fraternité
      Mind is like a parachute. It doesn't work if it is not open (F. Zappa)